Gekürzt entnommen aus: Handbuch des
österreichischen Rechtsextremismus, Wien 1994
Vorbemerkung
Diesem Kapitel liegt der von Willibald I. Holzer entwickelte
Rechtsextremismusbegriff zugrunde, der - wie schon mehrmals betont -
jede Gleichsetzung von Rechtsextremismus mit Nationalsozialismus,
Neonazismus, Neofaschismus und dergleichen ausschließt. Die
Klassifizierung der einzelnen Personen als rechtsextrem erfolgte
aufgrund ihrer Stellung innerhalb rechtsextremer Organisationen sowie
aufgrund von Stellungnahmen in Publikationen. Die Kategorie
"rechtsextrem" bezieht sich weder auf Charaktereigenschaften noch auf
private Verhaltensweisen, sondern auf die politische und ideologische
Haltung der einzelnen Personen. Berücksichtigt wurden die
wichtigsten Funktionäre, Aktivisten und Ideologen, ohne mit
dieser Auflistung Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
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KAMENICKY, Ing. Ferdinand
Niederösterreich
Geb. 1920
- Vor 1945:
- Mitglied der NSDAP
- Nach 1945:
1976 bis 1986 - Mitglied der NDP (Landessprecher für
Niederösterreich, 2. Bundessprecher)
- 1982
- Unterstützer einer von der Gruppe um die Zeitschrift "Halt"
bzw. von der "Ausländer-Halt-Bewegung" (AUS) initiierten
Kandidatur einer "Überparteilichen Liste gegen
Ausländerintegration" bei den Nationalratswahlen.
- 1983
- Kandidat der "Ausländer-Halt-Bewegung" (AUS) für die
Nationalratswahl
- 1993
- Obmann-Stellvertreter der "Österreichischen Gesellschaft
der Völkerfreunde"
KAPSCH, Dr. Hermann
Hauptmann a. D.
Mitglied der "Österreichischen Historiker-Arbeitsgemeinschaft
für Kärnten und Steiermark", gute Kontakte zu Ing. Franz
Stourac
- 1989
- Mitunterzeichner eines auch in der neonazistischen Zeitschrift
"Sieg" veröffentlichten Aufrufes gegen die gerichtliche
Verurteilung von Personen, die "nicht bereit sind, zeitgeschichtliche
Ereignisse, die nun schon bald 50 Jahre zurückliegen, nur durch
die Brille der alliierten Kriegspropaganda zu betrachten". (Siehe
dazu: "Sieg", 8-9/1989, S. 25)
- 1993
- Verfasser eines an die "International Helsinki Federation for
Human Rights" gesendeten Briefes, in dem er im Zusammenhang mit dem
Verbotsgesetz beklagt, daß "unbescholtene Bürger von einer
politisch gleichgeschalteten 'Justiz' gnadenlos verfolgt" werden.
- 1994
- Versucht vergeblich, in Zusammenhang mit der Herausgabe des
"Handbuches des österreichischen Rechtsextremismus" in
verschiedenen Zeitungen die Einschaltung eines Inserates "Wie werde
ich rasch und mühelos Rechts-'Extremist'?" zu erreichen.
KASPAR, Sascha Erich
Wiener Neustadt
VAPO-Aktivist und "Kameradschaftsführer" der "Kameradschaft
Wiener Neustadt", Funktionär der in Perchtoldsdorf (NÖ)
aktiven Kameradschaft "Walter Nowotny"
- 1994
- Wird wegen des Verdachtes der Beteiligung an den im Dezember
1993 erfolgten Briefbombenattentaten in Untersuchungshaft genommen,
nach 10 Tagen wieder freigelassen
KÖHLER, Walter Carl
- 1991
- Kontakte zu Skinheads, Gründer und Führer eines
"SD-Sicherheitsdienstes"
Teilnahme an einer FPÖ-Veranstaltung in Wien, bei der es zu
saalschutzartigen Auftritten mit Skinheadfreunden kam
Kontakte zu FPÖ-Funktionären. Näheres zu diesen
Kontakten siehe im Beitrag von Bailer/Neugebauer, Die FPÖ: Vom
Liberalismus zum Rechtsextremismus, Abschnitt "'Distanzierungen' vom
Rechtsextremismus" ("Aus dem Beschluß des Handelsgerichts Wien
vom 30. 3. 1994")
- 1991/92
- Kontakte zur VAPO
- 1992
- Untersuchungshaft (vom 6. 2. - 5. 3.) wegen der
mutmaßlichen Teilnahme an der Schändung des jüdischen
Friedhofes in Eisenstadt. Einleitung einer Voruntersuchung wegen
NS-Wiederbetätigung
- 1994
- Anklageerhebung wegen des Verdachts der Schändung des
jüdischen Friedhofes in Eisenstadt
KREMSER, Helmut
Wien
Geb. 1958
- 1985
- Unterstützer der Präsidentschaftskandidatur von Dr.
Otto Scrinzi
- 1987
- 3. Bundessprecher der NDP
- 1989
- Leiter des im Besitz der "Bürger-Rechts-Bewegung"
befindlichen ND-Verlages
- 1990
- Unterstützung der Liste "Nein zur Ausländerflut", die
von der Wiener Kreiswahlbehörde wegen NS-Wiederbetätigung
nicht zur Nationalratswahl zugelassen wird
KREMSER, Johann
Wien
Geb. 1927
Ehemaliger Landessprecher der NDP-Wien
- 1982
- Unterstützer einer von der Gruppe um die Zeitschrift "Halt"
bzw. von der "Ausländer-Halt-Bewegung" (AUS) initiierten
Kandidatur einer "Überparteilichen Liste gegen
Ausländerintegration" bei den Nationalratswahlen
- 1983
- Kandidat der "Ausländer-Halt-Bewegung" (AUS) für die
Nationalratswahl
- 1985
- 1. Landessprecher der NDP-Wien
KÜSSEL, Gottfried Heinrich
Wien
Geb. 10. 9. 1958
- 1976
- Mitglied der ANR
- Seit 1977
- nach Eigenangaben Mitglied der NSDAP/AO
- 1979/80
- Mitglied der im April 1980 behördlich aufgelösten
"Kameradschaft Babenberg"
- 1980/81
- Herausgeber der Zeitschrift "Halt"
- 1981-1983
- Aktivitäten unter Fußballfans, besonders bei SC
Rapid
- 1982
- Einsatzleiter der "Volksbewegung"
- 1983/84
- Verurteilung zu einer bedingten Haftstrafe wegen
NS-Wiederbetätigung
- 1984
- Mitglied der "Nationalen Front" (NF)
- 1985
- Aktivist der "Volkssozialistischen Partei" (VSP)
- 1986
- Gründung der "Volkstreuen Außerparlamentarischen
Opposition" (VAPO) In einem Flugzettel bezeichnet Küssel das
Tagebuch der Anne Frank als Fälschung
- 1987
- Teilnahme an einem Treffen von Neonazis in Höchst bei
Frankfurt Küssel wird vom bundesdeutschen Neonaziführer
Kühnen zum "Bereichsleiter Ostmark" ernannt
- 1990
- Organisierung einer Demonstration der VAPO in St. Pölten
Zusammen mit Hans Jörg Schimanek jun. Teilnahme an
Wehrsportübungen im Raume Langenlois
In einem in der ORF-Jugendsendung "Zick-Zack" ausgestrahlten
Interview bezeichnet sich Küssel als Nationalsozialist
Nach der Festnahme Kühnens Übernahme der Leitung des
Parteitages der "Deutschen Alternative" (DA) in Cottbus
Teilnahme an
einer Versammlung mit Gary Lauck, dem Chef der NSDAP/AO, in
Dänemark
Referent in Wunsiedel nach einer Demonstration von Neonazis aus
Anlaß des Todestages von Rudolf Heß
- 1991
- Zusammen mit Hans Jörg Schimanek jun. Teilnahme an einem
Revisionistentreffen in München, bei dem David Irving, Fred
Leuchter, Mark Weber, Udo Walendy u. a. als Redner auftreten
Nach Kühnens Tod Mitglied einer Vierergruppe, die die
Führung der kühnentreuen Neonazis übernimmt
Verhängung eines Einreiseverbots für Deutschland durch den
Innenminister
In einem von Neonazis herausgegebenen Aufruf zur Teilnahme am
Rudolf-Heß-Gedenkmarsch in Wunsiedel wird Gottfried Küssel
als österreichische Kontaktadresse angegeben
Teilnahme an einer
Neonazi-Demonstration in Dresden Verurteilung zu einer bedingten
Haftstrafe wegen Sachbeschädigung
Interview mit der Zeitung "Der
Standard", in dem sich Küssel wieder als Nationalsozialist
bezeichnet und den organisierten Massenmord der Nazis leugnet
Zusammen mit Hans Jörg Schimanek jun. und Günther
Reinthaler Teilnahme an einer gemeinsamen Wehrsportübung
österreichischer und bundesdeutscher Neonazis im Raum
Langenlois.
Küssel spricht sich in einem Interview mit der
Münchner Fernsehstation Tele 5 für die Zulassung der NSDAP
als Wahlpartei aus
In einem Interview mit ABC News Nightline (New
York) bezeichnet er Hitler als den größten Mann der
deutschen Geschichte und leugnet den Holocaust sowie die Existenz von
Gaskammern zur Ermordung von Menschen in nationalsozialistischen
Konzentrations- und Vernichtungslagern
- 1992
- Zusammen mit Günther Reinthaler Teilnahme an der
Urnenbeisetzung des verstorbenen Michael Kühnen in Kassel
Verhaftung zusammen mit dem bundesdeutschen Neonazi Klaus Kopanski in
seiner Wiener Wohnung
- 1993
- Verurteilung durch das Landesgericht für Strafsachen Wien
als 1. Instanz zu zehn Jahren Haft wegen NS-Wiederbetätigung
- 1994
- Der Oberste Gerichtshof hebt das Urteil gegen Küssel wegen
mangelnder Rechtsbelehrung der Geschworenen teilweise auf und ordnet
eine neuerliche Durchführung des Prozesses an.
KUNSCHKE, Erich
Kärnten
Geb. 24. 10. 1923
- Vor 1945:
1937 - 1939 - Angehöriger der Hitler-Jugend
- 1939
- Beitritt zu SA
- 1941
- Unehrenhafte Entlassung aus der SA
- Ab 1942
- Dienst in der Waffen-SS
- Nach 1945:
1974 - Verantwortlicher Redakteur der Zeitung "Die Kameradschaft" der
"Kameradschaft IV"
- 1977
- Wegen Beleidigung Dipl. Ing. Simon Wiesenthals vom
Bezirksgericht Klagenfurt zu einer Geldbuße verurteilt

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