Gekürzt entnommen aus: Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, Wien 1994

Rechtsextreme Funktionäre, Aktivisten und Ideologen



Vorbemerkung

Diesem Kapitel liegt der von Willibald I. Holzer entwickelte Rechtsextremismusbegriff zugrunde, der - wie schon mehrmals betont - jede Gleichsetzung von Rechtsextremismus mit Nationalsozialismus, Neonazismus, Neofaschismus und dergleichen ausschließt. Die Klassifizierung der einzelnen Personen als rechtsextrem erfolgte aufgrund ihrer Stellung innerhalb rechtsextremer Organisationen sowie aufgrund von Stellungnahmen in Publikationen. Die Kategorie "rechtsextrem" bezieht sich weder auf Charaktereigenschaften noch auf private Verhaltensweisen, sondern auf die politische und ideologische Haltung der einzelnen Personen. Berücksichtigt wurden die wichtigsten Funktionäre, Aktivisten und Ideologen, ohne mit dieser Auflistung Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

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B

BAUMBERGER, Roman Wolf
Wien
Aktivist der VAPO
Kontakte zu den "Kritischen Demokraten"
Verleger und Hersteller von ausländerfeindlichen Aufklebern
1992
Herausgeber eines Flugblattes ("Weg mit dem Verbotsgesetz", "Deutsches Reich jetzt")
Herausgeber eines zweiten Flugblattes ("Freiheit für Gottfried Küssel")
1993
Verurteilung zu einer unbedingten Haftstrafe wegen NS-Wiederbetätigung


BAUMGARTNER, Prof. Maximilian
Salzburg
Mittelschullehrer
Ehemaliges NDP-Mitglied, Kontakte zur "Deutschen Kulturgemeinschaft"
1980
Mitglied des "Komitees zur Wahl eines nationalen Deutsch-Österreichers" (Norbert Burgers) bei der Bundespräsidentenwahl
Gemeinsam mit Horst Braz (NDP-Salzburg) und Leo Gans (angeblich "FPÖ-Ortsgruppe Maishofen") Verantwortlicher für das Flugblatt "Weihnachtsaktion für den letzten Kriegsgefangenen", verteilt am 13. und 14. Dezember 1980 am Stadtplatz von Zell/See
1983
Teilnahme am Bundesparteitag der "Österreichischen Bürgerpartei"


BAYER, Dr. Alfred
Wien
Geb. 1935
Ehemaliges NDP-Mitglied
1975
Mitorganisator des vom "Bund Volkstreuer Jugend" geplanten, jedoch behördlich verbotenen Jugendkongresses
1979
Teilnahme an der Weihnachtsfeier der "Volkssozialistischen Arbeiterpartei"
Gründung eines "Verbandes der Umweltschützer"
1981
Gründung der "Partei für Jugend und Volk", deren Name aufgrund eines Einspruches der Jugend und Volk VerlagsgmbH geändert werden muß. Bayer zeichnet als Verantwortlicher der Zeitung dieser Partei, "Die Jugend"
1982
Gründung der Partei "Die Grünen Österreichs"
1986
Das Landesgericht für Strafsachen Graz stuft die programmatischen Aussagen Bayers als neonazistisch ein
1988
ÖH-Kandidatur der "Grünen Österreichs" in einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes wegen Neonazismus untersagt
1989
Gründung der Partei "Die Republikaner"
Dr. Alfred Bayer hat noch andere Organisationen gegründet wie z. B. "Österreichischer Heimatbund", "Grüne Front", "VdU - Aktion grünes Leben", "Neue Jugendbewegung - Sozialpolitische Volkspartei"



BERGERMAYER, Anton
Wien
Geb. 19. 7. 1920
Vor 1945:
Angehöriger der illegalen Hitler-Jugend (mit Goldenem Hitler-Jugend-Abzeichen ausgezeichnet)
1936
Meldung zur illegalen SS (Mitgliedsnummer 99800)
1938
Beitritt zur NSDAP (Mitgliedsnummer 6255595)
1939
Freiwillige Meldung an die Front
1945
SS-Obersturmführer
Nach 1945:
Verlagsbeauftragter der "Deutschen Wochen-Zeitung" in Österreich.
Bis 1983
Obmann der "Kameradschaft IV"


BINDER, Ing. Peter
Guntramsdorf, NÖ
Geb. 30. 4. 1967
VAPO-Aktivist, Waffensammler, Funktionär der in Perchtoldsdorf (NÖ) aktiven Kameradschaft "Walter Nowotny"
Enge Kontakte zu Gottfried Küssel und zur deutschen Neonaziszene
1993/94
Untersuchungshaft wegen des Verdachtes der Beteiligung an den im Dezember 1993 erfolgten Briefbombenattentaten. Fertigstellung einer Anzeige wegen NS-Wiederbetätigung und mutmaßlicher Beteiligung an den Briefbombenattentaten


BURGER, Dipl. Vw. Dr. Norbert
Kirchberg/Wechsel, NÖ
Geb. 13. 4. 1929, gest. 1992
Selbständiger Unternehmensberater
Vor 1945:
Gegen Kriegsende als Freiwilliger an der Front eingesetzt und nach eigenen Angaben an Hinrichtungen beteiligt
Nach 1945:
1. Bundessprecher der NDP, Mitglied des "Inneren Kreises" des "Nationalen Ideologiezentrums/Neues Institut für Zeitgeschehen" (NIZ), Mitglied des "Freiheitlichen Akademikerverbandes", Studium in Wien und Innsbruck, Assistent an der Universität Innsbruck, Mitarbeiter der "Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung"
1951
Mitbegründer der Burschenschaft "Olympia" (1959 wegen NS-Wiederbetätigung aufgelöst)
1953
Bundesvorsitzender des RFS
1956
Dissertation über "Die italienische Unterwanderung Deutsch-Südtirols", Innsbruck
1961
Zusammen mit Burschenschaftern und einigen ursprünglichen Mitgliedern des "Befreiungsausschusses Südtirol" Organisierung von Attentaten in Südtirol
Verhaftung in Klagenfurt, Flucht in die BRD, leitet von Augsburg und München aus Attentate in Italien
1963
Verhaftung in München, Ausweisung als "unerwünschter Ausländer"
Austritt aus der FPÖ
1967
Gründungsmitglied der NDP
1968
Verurteilung in Wien (acht Monate). In Italien wurde Burger in Abwesenheit zweimal verurteilt (lebenslänglich bzw. 28 Jahre)
Seit 1975
Gemeinderat in Kirchberg/Wechsel
1978
Beitritt zum "Fördererkreis der ANR"
1979
Konstituierung des "Komitees zur Wahl eines nationalen Deutsch-Österreichers", das Dr. Burger als Präsidentschaftskandidaten nominiert
1980
Bei zahlreichen Wahlkundgebungen Dr. Burgers tätliche Auseinandersetzungen des bewaffneten Saalschutzes mit Antifaschisten. Wahlergebnis: 140.000 Stimmen (3,2 %) für Dr. Burger
1981
Freispruch vom Vorwurf des Kaufes von Unterstützungserklärungen für seine Kandidatur bei den Bundespräsidentschaftswahlen durch das Wiener Landesgericht
1986
Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Dr. Otto Scrinzi
1988
Verbot der NDP, Mitbegründer und Obmann der "Bürger-Rechts-Bewegung"
Unterstützung der Liste "Ein Herz für Inländer" bei den niederösterreichischen Landtagswahlen
1991
Gratulation an die "Aula" zu ihrem vierzigjährigen Bestehen
1992
Teilnahme von zahlreichen Aktivisten aus dem rechtsextremen Lager an Burgers Begräbnis
Referate bei den "Gästewochen" der "Deutschen Kulturgemeinschaft"
Beiträge in: "Aula", "Klartext"


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