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Die Sammlung von auszugsweisen Papier-Kopien der Strafakten wegen NS-Verbrechen ist seit den frühen 1980er Jahren einer der Sammelschwerpunkte des DÖW. Seit der ersten Hälfte der 1990er Jahre werden Akten von Verfahren vor dem Volksgericht Wien (1945-1955) sowie Wiener Strafakten wegen NS-Verbrechen (1956-1975) erfasst, ausgewertet und mikroverfilmt. Durch die EDV-unterstützte Mikroverfilmung ausgewählter Akten des Wiener Volksgerichts war es möglich, die Sicherung der teilweise vom Zerfall bedrohten Dokumente mit ihrer inhaltlichen Erschließung zu verbinden. Die formale und inhaltliche Auswertung der Akten ist über Listen sowie eine Datenbank abfragbar. Dieser Arbeitsbereich wird seit 2001 von einer eigenständigen wissenschaftlichen Einrichtung, der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz am DÖW, wahrgenommen. Kooperationsprojekte mit Yad Vashem (Jerusalem) und dem US Holocaust Memorial Museum beinhalteten die Sammlung und Auswertung von Verfahren vor dem Volksgericht Wien (1945-1955) sowie dem Wiener Straflandesgericht (seit 1956) wegen Verbrechen an Jüdinnen und Juden. 2010 schloss die Forschungsstelle Nachkriegsjustiz ein Projekt über polnische, deutsche und österreichische Gerichtsverfahren wegen Verbrechen im KZ Lublin-Majdanek mit einer internationalen Konferenz in Wien ab. Das Projekt war - nach dem Tod der in Majdanek als SS-Aufseherin eingesetzten Erna Wallisch (2008) und der Einstellung des gegen sie geführten Strafverfahrens - aus einem Auftrag des Bundesministeriums für Justiz hervorgegangen, die Gründe für die Unzulänglichkeiten bei der Ausforschung und Bestrafung der in Majdanek eingesetzten ÖsterreicherInnen zu analysieren und zu prüfen, ob letzte Strafverfahren eingeleitet werden können. Zusätzliche, vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank, dem Nationalfonds und dem Zukunftsfonds zur Verfügung gestellte Mittel ermöglichten die Sichtung umfangreicher Aktenbestände polnischer und deutscher Strafverfolgungsbehörden. Diese werden, ebenso wie eine Mikrofilmkopie des in Graz 1963-1973 geführten Ermittlungsverfahrens, in die Bestände des Dokumentationsarchivs integriert werden und - unter Wahrung der Auflagen der Original-Archive - im DÖW einsehbar sein. Die Ergebnisse des Projekts werden im Juni 2011 als Band 4 der Veröffentlichungen der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz publiziert werden. Als Band 3 erschien 2010 der von Claudia Kuretsidis-Haider und Winfried R. Garscha herausgegebene Sammelband Gerechtigkeit nach Diktatur und Krieg. Transitional Justice 1945 bis heute: Strafverfahren und ihre Quellen. Neben eigenen Projekten und Veranstaltungen berät die Forschungsstelle BesucherInnen des DÖW bei der Suche nach Gerichtsverfahren wegen NS-Verbrechen und der Lokalisierung der dazugehörigen Akten in Landes- oder Gerichtsarchiven. Das gilt insbesondere für die Akten von Gerichtsverfahren, für die - weil seit deren Abschluss noch keine 50 Jahre verstrichen sind - eine richterliche Genehmigung einzuholen ist. Weitere Informationen sind der Web-Site www.nachkriegsjustiz.at zu entnehmen, auf der auch über etwaige Änderungen der Benützungsbestimmungen für Justizakten in den Landesarchiven informiert wird. |
Volksgerichts-
barkeit nach 1945 ![]() Seit den frühen 1990er Jahren
zählt die Auseinandersetzung mit der österreichischen Nachkriegsjustiz zu den Arbeitsschwerpunkten des DÖW. |
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