Aus Österreich geflüchtete/emigrierte und ermordete Juden

"Protektorat Böhmen und Mähren"

1939 stieg der Anteil der jüdischen Bevölkerung allein in Prag von 45.000 auf etwa 56.000 Personen. Die Tschechoslowakei galt als eine der wichtigsten Zufluchtsstätten für die verfolgten Juden aus Österreich. Beim Einmarsch der deutschen Truppen im März 1939 lebten ca. 118.000 Jüdinnen und Juden in Böhmen und Mähren, von denen nun viele, vor allem über illegale Wege, nach Polen zu flüchten versuchten. Die in Prag nach Wiener Vorbild errichtete Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Böhmen und Mähren diente dazu, die Vertreibung der in- und ausländischen Jüdinnen und Juden durch Druck und Demütigungen zu beschleunigen und die vollständige Beraubung der Flüchtenden effizient durchzuführen. Bis Oktober 1941 gelang es ca. 26.650 Jüdinnen und Juden, darunter auch vielen Österreichern, das Land zu verlassen.

Wie von Wien wurden auch aus Moravska Ostrava/Mährisch Ostrau junge arbeitsfähige Juden, darunter auch einige Österreicher, im Oktober 1939 nach Nisko am San deportiert. Zwischen Oktober und November 1941 fuhren fünf Deportationszüge mit je 1.000 Menschen von Prag nach Lodz/Litzmannstadt, und ein weiterer Transport brachte 1.000 Personen von Brünn nach Minsk, unter ihnen auch ca. 200 österreichische Jüdinnen und Juden. Am 10. Juni 1942 wurden 1.000 Jüdinnen und Juden aus Prag nach Majdanek deportiert.

Alle anderen Jüdinnen und Juden führte der Leidensweg in 122 Transporten zuerst nach Theresienstadt. Insgesamt wurden vom November 1941 bis März 1945 von Prag, Brünn, Pilsen, Mährisch Ostrau, Ungarisch Brod und Königgrätz ca. 74.000 Menschen in das Ghetto Theresienstadt eingewiesen. Die Mehrzahl, ca. 60.400, kam in den Vernichtungslagern des "Generalgouvernements" oder des "Reichskommissariats Ostland" ums Leben, unter ihnen befanden sich auch zahlreiche österreichische Opfer.

Schätzungsweise 78.200 der 92.200 Jüdinnen und Juden, die vor Beginn der Massendeportationen im "Protektorat Böhmen und Mähren" lebten, fanden den Tod. Von den ca. 1.500 aus dem "Protektorat" deportierten österreichischen Jüdinnen und Juden erlebten ungefähr 340 die Befreiung.



Karl Meisel (geb. 7. Februar 1928) wurde gemeinsam mit seiner Mutter Johanna (geb. 13. Oktober 1895) am 19. März 1942 von Brünn nach Theresienstadt deportiert. Wenige Tage später, am 1. April 1942, kamen sie mit einem Transport nach Piaski in Polen, seither fehlt jede Spur.




(Stehend von links nach rechts:)
Adolf N. und Max Eisinger,
(sitzend von links nach rechts:)
Julius und Arnold Eisinger.
Arnold Eisinger (geb. 4. Juni 1891) lebte bis 1938 mit seiner Ehefrau Olga (geb. 12. August 1904) und seinen beiden Töchtern Renee (geb. 13. November 1924) und Ruth (geb. 8. Juni 1927) in Langenlois. Sie flüchteten gemeinsam nach Brünn zu Julius Eisinger. Arnold Eisinger, seine Ehefrau und seine beiden Kinder wurden am 31. März 1942 von Brünn nach Theresienstadt und wenige Tage später, am 27. April 1942, nach Izbica deportiert.
Julius Eisinger kam mit seiner Ehefrau und seinem Sohn Ernst von Brünn in ein unbekanntes Lager.


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