Schwerpunkt Exil

Biographisches Handbuch der österreichischen Opfer des Stalinismus (bis 1945)

Projektbetreuung: Dr. Barry McLoughlin

Projektinhalt: Im Rahmen des Gedenkbuchs für die österreichischen Opfer des stalinistischen Terrors in der UdSSR (bis 1945) wurden seit Herbst 2004 sowohl biographische Daten und Fotografien der Opfer erfasst als auch die Hintergründe der Verfolgung wissenschaftlich aufgearbeitet. Das Projekt wurde 2006 in einer ersten Phase abgeschlossen. 2011 wurden die Opferbiographien und wissenschaftlichen Begleittexte für die Publikation, die 2012 erscheinen wird, fertiggestellt. Dokumentiert sind die Lebenswege von knapp über 760 ÖsterreicherInnen, die im Zeitraum 1917-1945 Opfer der stalinistischen Verfolgung in der Sowjetunion wurden. Parallel zur Herausgabe in gedruckter Form soll auch eine Datenbank mit Angaben zu den bisher ermittelten Opfern auf der Website des DÖW eingerichtet werden.

Im Dokumentationsteil sind derzeit 763 Opfer erfasst. Nicht berücksichtigt werden jüdische Flüchtlinge der Jahre 1938-1940 (etwa die Opfer der Nisko-Transporte), weil sie in einem eigenen Forschungsprojekt behandelt werden sollten, ebenso jene Österreicher, die als Angehörige der Deutschen Wehrmacht in sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten. Deutsche Muttersprache und ein Geburtsort auf dem Gebiet der k.u.k. Monarchie außerhalb des heutigen Österreichs oder der Dienst in der k.u.k. Armee wurden als nicht ausreichend für die Aufnahme erachtet. Die wesentlichen Kriterien für die Aufnahme in die Datenbank der österreichischen Stalin-Opfer sind

  • Verhaftung durch sowjetische Staatsorgane zwischen dem 7. November 1917 und dem 9. Mai 1945,

  • Staatsbürgerschaft der Republik Österreich oder Mitgliedschaft in der KPÖ oder längerer Aufenthalt auf dem Staatsgebiet der Repu­blik Österreich.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die österreichische Opferzahl unverhältnismäßig hoch, was mit der großen Zahl der in der Sowjetunion lebenden ÖsterreicherInnen zusammenhängt. Eine Kategorisierung der erfassten Personen (unter ihnen 65 Frauen) zeigt folgendes Bild:
  • wirtschaftliche Emigration: 238

  • KP-Emigration: 87

  • Schutzbund-Emigration: 195

  • Kriegsgefangene des Ersten Weltkriegs: 80

  • andere Auswanderungsmotive: 38

  • unbekanntes Motiv: 125

Über diese Personen wurde auch unterschiedlich reichhaltiges biographisches Material zusammengetragen, sodass Lebensbiographien (in Kurzform) verfasst werden konnten. Die elektronisch erfassten Biographien österreichischer Opfer (bis 1945) beinhalten (soweit bekannt) folgende Angaben:

  • Geburts- und Todesdatum
  • Beruf
  • Gesellschaftiche bzw. politische Aktivitäten in Österreich
  • Wohnort vor dem Exil
  • Beruf in der UdSSR
  • Politische Zugehörigkeit in der UdSSR
  • Politischer und sonstiger Hintergrund zur Verhaftung
  • Verhaftungsdatum
  • Anklage
  • Datum der Verurteilung und Verurteilungsinstanz
  • Ort und Datum der Hinrichtung
  • Haftorte bei Gulagstrafe, anschließender Verbannungsort, Dauer der Verbannung
  • Lebensdaten nach der Entlassung (in der UdSSR, Österreich oder einem anderen Land)
  • Datum der Rehabilitierung, Rehabilitierungsinstanz.

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