logo
logo

Fritz Molden (1924 - 2014)

Der österreichische Widerstandskämpfer, Publizist und Verleger Fritz Molden starb am 11. Jänner 2014 im 90. Lebensjahr.

Am 8. April 1924 in Wien geboren, wuchs Fritz Molden in einem großbürgerlich-liberalen Umfeld auf - sein Vater Ernst Molden war Chefredakteur der Neuen Freien Presse, seine Mutter Paula von Preradovic hatte den Text der österreichischen Bundeshymne verfasst. Als Jugendlicher gehörte Molden dem Grauen Freikorps (Studentenfreikops im Österreichischen Jungvolk) an. Wie viele Angehörige der katholisch-konservativen Jugendbewegung entschloss sich auch Fritz Molden unmittelbar nach dem "Anschluss" 1938 zum Widerstand gegen das NS-Regime. So beteiligte er sich im Sommer 1938 als 14-Jähriger an einer Flugzettelaktion in Tirol. Später erinnerte er sich:

 

"Und dann hat es geheißen, wir machen Flugzettel. Wir sind explodiert vor Tatentrieb, da konnten wir was tun. Wir waren ja vollkommen vertrottelt und jung und haben keine Ahnung gehabt, was wir da alles für Blödsinn anstellen, was wir riskieren und wie wir andere Leute in Gefahr bringen." (Interview im Rahmen des DÖW-Projekts Erzählte Geschichte)

 

Molden war auch unter den Teilnehmern der Jugendfeierstunde im Stephansdom am 7. Oktober 1938 (Rosenkranzfest), die sich zu einer Anti-NS-Kundgebung tausender Jugendlicher auf dem Stephansplatz entwickelte. Am nächsten Tag wurde er erstmals vorübergehend inhaftiert. Eine weitere Festnahme erfolgte im April 1940 im Zusammenhang mit einer Demonstration der verbotenen Bündischen Jugend nach einem Konzert der Schwarzmeerkosaken; diesmal blieb Molden rund zweieinhalb Wochen in Haft. Als er im Sommer 1941 versuchte, über die Niederlande illegal nach Großbritannien zu gelangen, wurde er wieder verhaftet. Um einer längeren Haftstrafe zu entgehen, meldete er sich freiwillig zur Deutschen Wehrmacht und wurde zunächst in einer Strafeinheit in der Sowjetunion eingesetzt. Nach einer Verwundung im Oktober 1940 wurde Molden nach Paris und schließlich nach Italien verlegt. Dort desertierte er im Mai 1944 zu den Partisanen und flüchtete schließlich in die Schweiz, wo es zur Zusammenarbeit mit Allan W. Dulles, dem Leiter des US-Kriegsgeheimdienstes OSS (Office of Strategic Services) in Bern und späteren Schwiegervater Moldens (Molden heiratete 1948 in erster Ehe Dulles' Tochter Joan), kam.

 

"Der [Dulles] saß in Bern und war nach einigen Gesprächen der Meinung, ich bin o. k., obwohl die Engländer ihm sehr abgeraten haben. Die Engländer haben sich gedacht, ich bin ein Doppelspion, und waren immer dafür, es wäre besser, mich entweder umzulegen oder den Deutschen zu übergeben, weil da würde man ja feststellen, ob ich ein Doppelspion sei oder nicht. Wenn die Deutschen mich aufhängen, bin ich ein anständiger Bursch, wenn ich hingegen freundlich aufgenommen werde, dann bin ich eben ein Agent. Aber Gott sei Dank haben sowohl die Schweizer wie die Amerikaner und auch die Franzosen und die Russen es nicht geglaubt. [...] Wir haben Uniformen, Waffen, Funkgeräte, alles haben wir genommen, nur kein Geld. Und das hat eben die Engländer irritiert, weil die Engländer waren gewohnt, dass man Agenten hoch bezahlt. Sie haben immer gesagt, Agenten, die aus Idealismus was tun, mit denen stimmt etwas nicht, das sind Narren. Deswegen haben sie mir misstraut. Aber per saldo ist dann alles gut ausgegangen, am Schluss waren auch die Engländer freundlich, und ich hab' dann nach dem Krieg auch einen englischen Orden gekriegt. Aber diese ersten Monate war es schwierig." (Interview im Rahmen des DÖW-Projekts Erzählte Geschichte)

 

Gefälschtes Soldbuch 

Gefälschtes Soldbuch von Fritz Molden, der als Verbindungsmann der Alliierten zwischen der Schweiz und Österreich pendelte.

 

 

Mit gefälschten Papieren pendelte Molden zwischen Wien, Tirol und der Schweiz und fungierte als Verbindungsmann der Alliierten zur O5, einer Widerstandsorganisation um Hans Becker, die insbesondere Angehörige des bürgerlich-konservativen Milieus vereinte, später aber auch Kontakte zu sozialdemokratischen und kommunistischen Kreisen knüpfte. Molden war am Einschleusen alliierter Verbindungsoffiziere nach Österreich ebenso beteiligt wie an der Errichtung von Senderanlagen und am Aufbau eines Kurier- und Nachrichtennetzes.

 

Nach Kriegsende 1945 war er als Sekretär von Außenminister Karl Gruber und als Journalist tätig. 1948/49 baute er in New York den Österreichischen Informationsdienst auf, 1953 - 1961 war er Geschäftsführer, Herausgeber und Chefredakteur der Presse sowie Gründer und Herausgeber der Wochenpresse und des Express, 1964 gründete er den Verlag Fritz Molden, ab 1982 war er als freier Journalist, Schriftsteller und Filmemacher tätig. In seinen Publikationen setzte er sich immer wieder mit dem österreichischen Widerstand 1938 - 1945 auseinander. 2007 erschienen seine politischen Erinnerungen Vielgeprüftes Österreich.

 

 

<< zurück

 

Unterstützt von: