Heinz Arnberger/Herbert Exenberger/Claudia Kuretsidis-Haider

Gedenken und Mahnen in Wien

INHALT

Gedenkstein

Man sagt, es starben viele um das Recht.
So merkt es euch: sie sind ums Recht gestorben.
Vergeßt es nicht! Sonst war ihr Sterben schlecht,
Und nur am Unrecht wären sie verdorben.

Man sagt, für Freiheit gaben sie ihr Blut -
Ein Tauschgeschäft, das sie nicht überleben.
Ihr, die ihr überlebt, merkt es euch gut:
Für Freiheit haben sie ihr Blut gegeben.

Der Zukunft opfernd ihre Gegenwart -
Und mehr hat keiner, mehr nennt keiner sein.
Die ihr es später lest, bedenkt es hart,
Denn eurer Gegenwart gilt dieser Stein.

Dieses von Berthold Viertel (1) verfaßte Gedicht - 1946 in dem von exilierten Schriftstellern in New York gegründeten Aurora Verlag im Lyrikband "Der Lebenslauf" veröffentlicht - steht als Leitlinie für das DÖW-Projekt zur Erfassung von Widerstand und Verfolgung 1934-1945 sowie Exil und Befreiung. (2) Die vorliegende Dokumentation ist der erste Band der Reihe "Gedenken und Mahnen in Österreich". Die Arbeiten über die anderen Bundesländer sollen in den nächsten Jahren folgen.

Vor allem die in den Opferverbänden organisierten ehemaligen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer bemühten sich bereits in den ersten Monaten nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, das Leben und Sterben ihrer ermordeten Kameradinnen und Kameraden ins Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Immer wieder regten diese Organisationen eine bundesweite Erfassung der Gedenkstätten des Widerstandes und der Gräber ihrer Opfer an. So heißt es etwa in einem Rundschreiben des Bundes sozialistischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus vom 20. Dezember 1950:
"Wir wollen in der Zentrale eine Liste aller Mahnmale für die Opfer des Faschismus von 1934-1945 anlegen, wozu wir die Mithilfe unserer Landesverbände und der Wiener Bezirksgruppen erbitten. Zu diesem Zwecke wollen Sie uns alle Ihnen bekannten Mahnmale, Gedenktafeln, Benennungen von städtischen Wohnhausbauten nach Opfern etc. bekanntgeben und dazu eine kurze Legende wie etwa: Namen der Opfer, wenn möglich Geburtsdatum, wann und wo im Kampfe gegen den Faschismus gefallen oder justifiziert."

In einem Nachsatz appellierte die Vorsitzende Rosa Jochmann an die Mitglieder ihres Opferverbandes:
"Ich würde Euch, liebe Genossen, diese meine Bitte dringend ans Herz legen und ersuchen, dieses Rundschreiben nicht unerledigt ad acta zu legen, sondern mir die gewünschten Daten wirklich recht bald zu liefern, da ich es als eine Schande empfinden würde, wenn der Bund sozialistischer Freiheitskämpfer die Mahnmale für seine Opfer nicht kennt."

Es sollten jedoch noch weitere 25 Jahre vergehen, ehe das von der überparteilichen Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs herausgegebene und von Erich Fein zusammengestellte Werk "Die Steine reden" (3) erscheinen konnte. Erstmals wurde mit diesem Buch eine umfangreiche Dokumentation der Gedenkstätten vorgelegt. Als langjähriger Sekretär des Bundesverbandes österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus (KZ-Verband) war Erich Fein bestens mit der Thematik vertraut. Er wurde mit dem ersten Österreicher-Transport am 1. April 1938 in das KZ Dachau und von dort im September 1938 in das KZ Buchenwald überstellt, wo er bis zur Befreiung des Lagers in Haft war. Die Arbeit Erich Feins fand allgemein großen Anklang und war im Buchhandel bald vergriffen.

Ein Hauptanliegen der nunmehrigen Reihe ist es, die verschiedenen Formen von "Gedenken und Mahnen" in ihrer gesamten Breite zu erfassen. Die Realisierung von Gedenkstätten war oft mit großen Schwierigkeiten verbunden. Entsprechende Aktivitäten waren bzw. sind durch vielfältige Interventions- und Behinderungsversuche bis in die unmittelbare Gegenwart begleitet. Die angeführten Gedenkstätten, -tafeln, Gräberanlagen, Verkehrsflächen und Wohnhausanlagen dokumentieren die Opfer des Kampfes um die Demokratie 1934-1938 ebenso wie jene von Widerstand und Verfolgung unter der NS-Herrschaft 1938-1945.

Gedenkstätten für Opfer des Faschismus vor 1934

In Wien findet man auch einige Stätten, die uns Menschen ins Gedächtnis rufen, die vor dem Jahre 1934 aus politischen Motiven ermordet wurden.

So gibt es auf dem Baumgartner Friedhof, 1140, Waidhausenstraße 52, das Grabdenkmal für den am 17. Februar 1923 von Ostara-Leuten (4) erschossenen sozialdemokratischen Betriebsrat der Semperit-Werke Franz Birnecker.

In Simmering erinnern eine Gedenktafel in der Drischützgasse 4, enthüllt am 13. Oktober 1946 durch Bürgermeister Theodor Körner, (5) der Karl Tlasek-Hof, 1110, Lorystraße 16-18, und die Tlasekgasse an den sozialdemokratisch organisierten Sicherheitswachebeamten Karl Tlasek, der am 16. Oktober 1932 erschossen wurde. An diesem Tag veranstaltete die NSDAP Simmering ihren ersten Bezirkstag, in dessen Verlauf Nationalsozialisten das Simmeringer Arbeiterheim in der Drischützgasse 4 und das dort befindliche sozialdemokratische Bezirkssekretariat zu stürmen versuchten.
Hervorzuheben ist auch das Gedenken an den italienischen Sozialisten Giacomo Matteotti. In der Siebenbrunnenfeldgasse 28-30 in Margareten setzte die Gemeinde Wien durch die Benennung eines Gemeindebaus nach dem am 10. Juni 1924 von einer faschistischen Schlägerbande in Rom entführten und ermordeten Generalsekretär der Sozialistischen Partei Italiens Giacomo Matteotti ein Zeichen der internationalen Solidarität im Kampf gegen den Faschismus. Der Mieterausschuß dieses Wohnhauses plante, noch zusätzlich innerhalb der Anlage ein Matteotti-Denkmal zu errichten. In einem Antwortschreiben vom 6. Juni 1928 an die sozialdemokratische Bezirksorganisation Margareten verwies der Wiener Parteivorstand auf die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse und verwarf den Denkmalplan, weil der führende italienische Sozialist durch die Benennung einer städtischen Wohnhausanlage und den gleichnamigen Platz in Ottakring bereits die entsprechende Ehrung erfahren habe. (6)

Robert Dannebergs Beitrag zur Benennung von Wiener Verkehrsflächen

"Gewiß, es gibt viel, viel dringendere Sorgen als die Umbenennung von Straßen" formulierte der später im NS-Vernichtungslager Auschwitz ermordete führende Sozialdemokrat Robert Danneberg in einem bemerkenswerten Beitrag über "die Wiener Straßennamen" in der "Arbeiter-Zeitung" und schilderte darin die bestehende Situation nach dem Ersten Weltkrieg:

"Sowenig wir die Geschichte ungeschehen machen können, so sinnlos wäre es, die Erinnerung an die vergangene monarchische Epoche aus dem Straßenbild auszulöschen. Die Tatsache, daß hier jahrhundertelang ein Herrscherhaus regiert hat, mag, wenn nach seinen Kaisern Straßen benannt wurden, auch weiterhin so zum Ausdruck kommen. Darum sind solche Straßennamen jetzt nur geändert worden, wo Doppelbezeichnungen bestanden." (7)

Bei Neubenennungen von Verkehrsflächen sollten Ereignisse des Jahres 1918 - so wurde etwa das kurze Stück der Ringstraße vor dem Parlament in "Ring des 12. November" umbenannt -, Persönlichkeiten der Kunst und Wissenschaft und zum erstenmal auch bedeutende Vertreter der Arbeiterinternationale und um die Geschichte der Wiener Arbeiterbewegung Verdiente herangezogen werden.

Denkmäler und Straßennamen nach dem 12. Februar 1934

Dieser von Toleranz getragenen Stellungnahme Dannebergs begegnen wir nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 nicht mehr. Im Zuge dieses politischen Umbruchs fanden Umbenennungen von Verkehrsflächen statt und wurden Denkmäler entfernt. Richard Schmitz, der an Stelle des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz als "Bundeskommissär für Wien" eingesetzt worden war, bestellte bereits am 23. Februar 1934 eine entsprechende Kommission. Dieser gehörten der Direktor der Albertina, der Direktor des Diözesanmuseums, der Direktor des Bundesverlages, der Präsident der Genossenschaft der bildenden Künstler, Legationsrat a. D. Ludwig von Baldass und Univ. Prof. Josef Nadler an. Mit dem Vorsitz wurde der Direktor der städtischen Sammlungen betraut. Außerdem wurden das Bundesheer, die Bundespolizei und die verschiedenen Wehrverbände aufgefordert, Vertreter für die Kommission zu nennen. (8) In diesem Zusammenhang äußerte sich Schmitz zum Denkmal der Republik:

"Was das sogenannte ‚Denkmal der Republik' betrifft, habe ich die Entfernung dieses Denkmals in seiner Gänze angeordnet, weil es in Wahrheit kein Denkmal der Republik, sondern ein Trutzdenkmal der sozialdemokratischen Partei war, das schon durch die Wahl des Aufstellungsplatzes, der die blutigen Kämpfe des 15. Juli 1927 gesehen hat, und dann durch die Aufschriften seit langem zu einer Herausforderung des Großteils der Wiener Bevölkerung geworden war. Es war zu befürchten, daß diese Stimmung zum Ausdruck kommen würde. Ohne den Künstlern, die ja einen bestimmten Auftrag vorfanden, nahetreten zu wollen, darf man doch sagen, daß die Ausführung des Denkmals kein Schmuck für die Stadt Wien und den schönsten Teil ihrer schönsten Straße gewesen ist. Vielleicht werde ich mich entschließen, an dieser Stelle ein einfaches und im würdigen Stile gehaltenes Mal zur Erinnerung an die historischen Kämpfe in den Tagen vom 12. bis 15. Februar dieses Jahres errichten zu lassen. Überdies beabsichtige ich anzuordnen, daß an jedem Wohnhausbau der Gemeinde Wien, dessen Erstürmung Todesopfer gefordert hat, eine Erinnerungstafel mit den dort gefallenen Helden der Exekutive angebracht wird." (9)

Für die im Februar 1934 im Kampf um die Demokratie gefallenen Menschen war das erste "Denkmal" ein großes Plakat mit der Aufschrift "Hier ruhen unsere ermordeten Schutzbündler". Es bedeckte das Massengrab gefallener Schutzbündler auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 28/Reihe 42. (10)

Die Witwe des am 15. Februar 1934 durch das Standgericht hingerichteten Brandoberkommissärs der Hauptfeuerwache Floridsdorf Ing. Georg Weissel mußte für die Entfernung der Grabsteininschrift wegen der "aufreizenden" Worte "Ein Stein unter Steinen im Aufbau der Menschheit" einen Betrag von 65,70 Schilling bezahlen. (11)

Im Dezember 1947 diskutierte man in der Organisationskommission der SPÖ ein zu errichtendes Erinnerungsmal für die Opfer des Februar 1934. Zentralsekretär Otto Probst wollte ein Preisausschreiben für dieses Mahnmal einleiten und drei bis vier bekannte Bildhauer bzw. Architekten um entsprechende Entwürfe ersuchen. Der Gedenkstein sollte an der gemeinsamen Grabstätte der Opfer des Februar 1934 errichtet werden. Im Protokoll ist auch vermerkt, daß ein Beschluß vom Parteivorstand einzuholen sei. (12) Dieses Gremium gab jedoch keine Stellungnahme dazu ab. Erst fünfzig Jahre nach dem Februar 1934, im Jahre 1984, wurden die bereits verrosteten spärlichen Partezetteltafeln und die einzelnen winzigen Grabsteine in der Gruppe 28/Reihe 42 durch ein von Leopold Grausam jun. gestaltetes Mahnmal ersetzt.

Der autoritäre "Ständestaat" war besonders um Denkmäler für den beim nationalsozialistischen Putschversuch im Juli 1934 ermordeten Bundeskanzler Engelbert Dollfuß bemüht. Mit einem Flugblatt und eigens dafür aufgelegten Erlagscheinen ersuchte man um Spenden für ein "Dollfuß-Denkmal der Vaterländischen Front", das gleichzeitig "Österreichs National-Denkmal" sein sollte. Aus einer Erfassung der Dollfuß-Denkmäler durch den Kulturreferenten der Vaterländischen Front im Juni 1936 geht hervor, daß es mit Ausnahme des 14. und 20. Bezirkes in jedem Wiener Bezirk solche Denkmäler gab. Der Bogen spannte sich von Büsten, Reliefs, Gedenktafeln, Dollfußkerzen und einer Dollfußglocke in der Begräbniskirche des Wiener Zentralfriedhofes bis zur Statue eines hl. Engelbert auf der Höhenstraße. (13)

Unter nationalsozialistischer Herrschaft

Nach dem "Anschluß" (März 1938) erfolgte durch die nationalsozialistische Stadtverwaltung eine massive Umbenennung von Verkehrsflächen, deren Bezeichnungen dem NS-Regime aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen nicht genehm erschienen. (14) Gleichzeitig erfolgte die totale Entfernung jüdischer Denkmäler. In einer Zeitungsnotiz liest man darüber:

"Im Zuge der in die Wege geleiteten Reinigung des Wiener Straßenbildes von jüdischen Namensbezeichnungen erfolgt auch die Entfernung jener Denkmäler, die Juden darstellen. Die Rothschild-Büste in der Halle des Wiener Nordbahnhofes wurde bereits durch eine Hülle unkenntlich gemacht, und in den nächsten Tagen werden das Marcus-Denkmal bei der Technischen Hochschule und das Sueß-Denkmal am Schwarzenbergplatz abgetragen werden. Die Maßnahme der Entfernung jüdischer Denkmäler erstreckt sich natürlich auf Groß-Wien." (15)

Die Wiener Nationalsozialisten hatten schon vor 1938 gegen Denkmäler für Persönlichkeiten polemisiert, die ihrem Rassenwahn nicht entsprachen. So wüteten sie etwa gegen das von Carl Wollek im Jahre 1932 gestaltete Denkmal für den Sozialreformer und Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner. Das NS-Sprachrohr "Notschrei" berichtete darüber unter der Überschrift "Geld wie Mist ... für ein Judendenkmal":
"Der Nationalsozialist Frauenfeld erklärte in seiner Rede, daß es einfach schamlos sei, daß für einen Juden, den kein Mensch außer den Juden der roten Mehrheit kenne, dessen Leistungen sich höchstens würdig an die Leistungen des Relativjuden und Indianerhäuptlings Einstein anschließen, ein Denkmal errichtet werden soll ... Der Antrag zur Errichtung des Judendenkmals wurde sodann mit den Stimmen der roten Mehrheit angenommen. Die Nationalsozialisten gaben durch laute Pfuirufe ihre Meinung über diese schändliche, gemeine Tat der roten Bonzen und Judenknechte zu verstehen." (16)

Wie viele andere Denkmäler und Gedenktafeln wurde auch das Julius Ofner-Denkmal während der NS-Herrschaft entfernt. Es war im Wiener Alten Rathaus deponiert worden und konnte bereits 1948 provisorisch und am 3. Juni 1954 endgültig wieder aufgestellt werden. (17) Die Wiener Stadtverwaltung bemühte sich bereits in den ersten Jahren nach der Befreiung, die Spuren der nationalsozialistischen Kulturbarbarei zu beseitigen. Eine Reihe von Denkmälern und Gedenktafeln konnte wieder an ihren Ort gebracht bzw. der frühere Zustand wieder hergestellt werden.

Gedenkstätten nach 1945

Die statistischen Daten über Erinnerungszeichen in Wien zeigen, daß vor allem in den Jahren 1945 bis 1949 ein reges Interesse herrschte, sich der Opfer von Widerstand und Verfolgung zu erinnern. In den sechziger und siebziger Jahren ist ein Abflachen des Denkmalsetzens festzustellen. Erst in den beiden letzten Jahrzehnten ist wieder ein deutlicher Anstieg des öffentlichen Gedenkens zu verzeichnen. Sicher steht diese Tatsache in Verbindung mit einer breiten antifaschistischen Aufklärungsarbeit und dem fünzigjährigen Gedenken des Anfangs und Endes der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich.
Zwischen 1945 und 1949 treten besonders die Jahre 1946, mit der Errichtung von 27 Gedenkstätten, und 1949, mit der Errichtung von 35 Gedenkstätten und 17 Benennungen von Verkehrsflächen hervor.
Für 1946 ist nicht nur die Errichtung von zahlreichen Gedenkstätten, sondern auch das Erscheinen vielfältiger Erinnerungsliteratur und Artikeln in Zeitungen sowie intensive Täterverfolgung und Entnazifizierung markant. In den darauffolgenden beiden Jahren sinkt die Zahl der Erinnerungszeichen eklatant (unter 10). 1948 beschloß ein aus Vertretern von SPÖ, ÖVP und KPÖ und des Wiener Magistrates bestehendes Komitee die Neu-, Rück- und Umbenennung von Verkehrsflächen und städtischen Wohnhausanlagen. (18)
1956, nach Abschluß des Staatsvertrages, wurden lediglich fünf Verkehrsflächen benannt, jedoch keine einzige Gedenkstätte errichtet oder Gedenktafel angebracht.
Im Rahmen der verstärkten Wohnbautätigkeit in den sechziger Jahren - vor allem durch den Bau der Per Albin Hansson-Siedlung/Ost in Favoriten - war es ein Anliegen der Stadt Wien, Verkehrsflächen nach NS-Opfern zu benennen. Die Jahre davor standen im Zeichen der großen Verfahren wegen NS-Verbrechen (Prozeß gegen Adolf Eichmann in Israel, Auschwitz-Prozeß in Deutschland, Prozeß gegen Franz Murer in Österreich (19)). Der ehemalige Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger wurde 1965 als erstes politisches Opfer seit der NS-Zeit während einer Demonstration von einem Rechtsextremisten getötet. In der Öffentlichkeit diskutierte man wieder über die Zeit des Nationalsozialismus, was sich auch in der Errichtung von Gedenkstätten niederschlug, aber nur von kurzer Dauer war, denn in den folgenden 15 Jahren sank die Zahl wieder unter 20 pro 5-Jahresschritt. Erst die achtziger Jahre brachten eine nachhaltige Wende in der Gedenkkultur in Österreich und da ganz besonders das Gedenk- und Bedenkjahr 1988, in dem 48 Gedenkstätten gestaltet wurden (also nur geringfügig weniger als zwischen 1965 und 1979 zusammen). Eine große Anzahl davon erinnert an die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung unter der NS-Herrschaft. Auch in den neunziger Jahren ist dieser Trend, wenn auch abgeschwächt, feststellbar. Vor allem wurden zwischen 1990 und 1994 im Zuge der Wohnbautätigkeit in den Stadterweiterungsgebieten eine große Anzahl von Verkehrsflächen benannt. [...]

Die folgenden Beispiele sollen vor allem die Beweggründe zur Errichtung der frühen Gedenkstätten illustrieren:

Die städtische Wohnhausanlage Neilreichgasse 100, ehemalige "Rasenstadt", in Favoriten wurde zur ersten Gedenkstätte für Opfer des österreichischen Widerstandes gegen die Nazibarbarei. Die "Johann Mithlinger-Siedlung", benannt nach dem am 7. Juni 1944 im Landesgericht Wien enthaupteten Widerstandskämpfer, sollte am 31. Juli 1945 ihren neuen Namen erhalten. Die um einige Tage verschobene Benennung der Siedlung mit Enthüllung einer Gedenktafel fand am 4. August 1945 statt. Bürgermeister Theodor Körner, Stadtrat Felix Slavik und Bezirksvorsteher Karl Kempf erinnerten daran, daß mit dieser Ehrung Johann Mithlingers gleichzeitig auch die Ehrung aller anderen Kämpfer für ein freies Österreich verbunden sei. Weiters forderten sie die Kundgebungsteilnehmer auf, im Gedenken an diese Opfer am Wiederaufbau Wiens und Österreichs mitzuarbeiten. (20)

In den folgenden Jahren enthüllte man weitere derartige Gedenktafeln und benannte Wohnhausanlagen nach Mietern, die Opfer des NS-Terrors geworden waren.

Seit Oktober 1945 ruft eine Gedenktafel im Betriebsbahnhof Favoriten der Wiener Verkehrsbetriebe, Gudrunstraße 153, zum ersten Mal die Mitarbeiter eines Betriebes, die die nationalsozialistische "Zeit ohne Gnade" nicht überlebten, ins Gedächtnis zurück. Zahlreiche Menschen kamen zur Enthüllung am 21. Oktober 1945 in die Gudrunstraße, unter ihnen die Vertreter von SPÖ, ÖVP und KPÖ, der sowjetische Bezirkskommandant Major Schischkin sowie viele Wiener Straßenbahner. Nach der Gedenkrede Ernst Fischers (21) überreichte Paul Speiser den Favoritner Straßenbahnern die Original-Fahne des Jahres 1926, die im Zuge des Bürgerkrieges im Februar 1934 konfisziert und schließlich nach einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkrieges von einem Arbeiter gerettet worden war. (22)

Ebenfalls im Jahre 1945, nämlich am 19. August, wurde das erste Denkmal für die Opfer der alliierten Armeen bei der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus - welches innerhalb von drei Monaten errichtet werden konnte - enthüllt. Alle Redner betonten den bedeutenden Beitrag der Roten Armee für die Befreiung Österreichs von der NS-Terrorherrschaft. So meinte etwa Staatssekretär Figl:
"Dieses Denkmal bedeutet uns Verpflichtung für alle Zeiten. Es ist und wird uns Rufer und Mahner sein gegenüber den Befreiern, nichts unversucht zu lassen und bis zum letzten für die Freiheit einzustehen. Dieses Denkmal ist uns aber auch Rufer und Mahner zur Einheit in Österreich. In einträchtiger Zusammenarbeit wollen wir Österreicher zusammenhelfen, daß unsere so schwer errungene Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Einheit für alle Zeit gesichert sind. Dies soll unser Dank an die großen toten Soldaten sein, die uns das ermöglichten. Dieses Denkmal ist ein Mahnmal, das uns verpflichtet. Die Verpflichtung heißt: Ein freies, unabhängiges, demokratisches Österreich." (23)

Das Denkmal stand 1990 im Mittelpunkt einer vom Film- und Theaterregisseur Robert Quitta unter dem Titel "Freie Sicht aufs Palais Schwarzenberg!" initiierten Diskussion. (24) Obwohl das Monument durch den Artikel 19 des Österreichischen Staatsvertrages geschützt ist (25), forderten die FPÖ-Bezirksräte der Landstraße und der Wieden 1992 in gleichlautenden Anträgen ihre Bezirksvertretungen auf, seine Entfernung zu veranlassen. In ihren letztlich abgelehnten Anträgen zeigen die FPÖ-Funktionäre mehr als deutlich ihre Geschichtsauffassung. So setzten sie etwa Mahnmal unter Anführungszeichen und verloren kein Wort über die unzähligen Angehörigen der Roten Armee, die für die Befreiung Österreichs gefallen waren, sondern argumentierten:

"Der Verbleib des Denkmals erscheint aus stadtplanerischen, politischen und moralischen Gründen nicht weiter tragbar. [...] Irgendwelche Einsprüche aus Rußland betreffend die Denkmalentfernung sind auszuschließen."

Der FPÖ-Klubobmann des 3. Bezirkes, Peter Oswald, ereiferte sich:

"Die Stimmen, die sich gegen ‚denkmalstürmerische Tendenzen' stark machen, sind dieselben, die in Wien eine Ottokar Kernstock-Gasse, in Kärnten eine Steinacher-Gedenktafel oder in Oberösterreich eine Moritz-Etzhold-Turnhalle am liebsten gestern als heute umbenannt sehen möchten. Andenken an untadelige Österreicher, die sich durch kompromißlose Liebe zu Heimat und Volk auszeichneten." (26)

Die erste Gedenkstätte für Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurde im Jahre 1946 in Wien errichtet. Die Enthüllung der von Arthur Materno gestifteten Gedenktafel im Vorraum des Wiener Stadttempels im 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, fand am 2. April 1946 statt. Heute wird in vielfältiger Weise an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Wiens, die Opfer des menschenverachtenden nazistischen Rassenwahns geworden sind, erinnert: zum Beispiel durch Gedenktafeln in Schulen, an den Fassaden der einstigen Deportationssammellager Kleine Sperlgasse 2a und Castellezgasse 35, beide im 2. Bezirk, den Gedenkstein auf dem Platz der Opfer der Deportation im 3. Bezirk oder etwa den Gedenkwald im 22. Bezirk (Silberergasse/Rosenbergstraße).

Seit Simon Wiesenthal Ende 1994 die Errichtung eines Holocaust-Mahnmals auf dem Judenplatz vorschlug, gibt es darüber Diskussionen, die nicht frei von Emotionen geführt werden. "Daß sich hinter diesem Argumentationsschwall nicht selten persönliche Eitelkeiten, antisemitische Gefühle, parteipolitische Erwägungen oder/und populistisches Kalkül verbergen, macht's niemandem leichter", stellte dazu das offizielle Organ der Israelitischen Kultusgemeinde nach Monaten der Auseinandersetzungen fest. (27) So wetterte etwa die neonazistische "Deutsche National-Zeitung" aus München am 4. August 1995 gegen das geplante Mahnmal, wobei sie die Denkmäler für ermordete Juden immer wieder unter Anführungszeichen setzte. (28) Am 12. Dezember 1996 stellte die Israelitische Kultusgemeinde Wien nach einer Debatte im Kultusvorstand fest:
"Die IKG ist für die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an die Wiener Opfer der Shoa. Nicht, weil die IKG der Opfer gedenken muß: Das tut sie, wie alle Gemeinden der Welt, ohnehin. Sie ist für die Errichtung eines solchen Mahnmals, weil sie darin ein öffentliches Bekenntnis gegen die Täter sieht, eine öffentliche Parteinahme für die Opfer und ein Bekenntnis zur Geschichte und gegen die Geschichtsvertuschung, -revision, -verharmlosung und -leugnung. Somit ist ein Mahnmal ein publizistisches und erzieherisches Instrument der Gesellschaft zur Prävention. Der Gesellschaft wohlgemerkt, und nicht der Juden." (29)

Ob und in welcher Weise ein Holocaust-Mahnmal errichtet wird, ist zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Publikation unklar.

Am 30. Oktober 1945 beschloß der Wiener Stadtsenat, über Antrag des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Volksbildung Viktor Matejka, "den im Kampf gegen den Nazifaschismus und für ein freies, unabhängiges Österreich Gefallenen der Stadt Wien auf einem würdigen Platz im Zentrum der Stadt ein Denkmal zu errichten". Gleichzeitig wurde auch festgelegt, im Rathaus selbst eine Gedenktafel für die im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Bediensteten der Stadt Wien zu errichten. (30) Beide Vorschläge gelangten jedoch nicht zur Ausführung. Auf dem Platz des Zentralfriedhofes, wo am 1. November 1948 durch Bürgermeister Theodor Körner das Mahnmal der Stadt Wien zum Gedenken an die Opfer für ein freies Österreich 1934-1945 enthüllt wurde, hatte zunächst die KPÖ geplant, ein Denkmal für ihre ermordeten Mitglieder zu setzen.

Aus einer Anfrage der Gemeinderäte Josef Lauscher, Viktor Matejka, Ludwig Soswinski und Genossen vom 20. Februar 1947 geht folgender Sachverhalt hervor:
"Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Österreichs hat im Frühjahr 1946 den Beschluß gefaßt, den kommunistischen Opfern des Kampfes um ein freies, unabhängiges und demokratisches Österreich ein würdiges Denkmal zu errichten. [...] Das Zentralkomitee entschied sich für den Platz neben dem Denkmal der Juli-Opfer." (31)

In einer Unterredung am 20. Juli 1946 zwischen einem Vertreter der KPÖ und dem zuständigen Beamten der Magistratsabteilung 43 wurde unter anderem vereinbart, daß die Stadt Wien dem Ansuchen entsprechend die angeforderte Gruftgruppe zur Verfügung stellt.

Schließlich beschloß die Stadt Wien im Dezember 1946 die Ausschreibung eines Grabdenkmals auf dem Zentralfriedhof. Die politischen Parteien und der Österreichische Bundesverband ehemals politisch verfolgter Antifaschisten verzichteten nun auf entsprechende Initiativen ihrerseits. Gleichzeitig wurde auch von dem ursprünglichen Plan Abstand genommen, die Leichen aller Opfer (1934-1945) zu exhumieren und unter dem Grabdenkmal zu bestatten. (32)

Am 5. Juli 1947 entschied sich eine Jury unter dem Vorsitz von Vizebürgermeister Paul Speiser für den Entwurf des Bildhauers Fritz Cremer und dessen Mitarbeitern, den Architekten Wilhelm Schütte und Margarete Schütte-Lihotzky. (33)

Gegen dieses Konzept, das zur Ausführung gelangte, polemisierte etwa "Das Kleine Volksblatt":
"Der Cremersche Entwurf, der vor allem weder gedanklich noch wirkungsmäßig Neues bringt, kulminiert im wesentlichen in der schablonenhaften Darstellung einer Trauernden, einer Anklagenden und in der Figur eines Kettensprengers, also in der Verherrlichung der Spartakus-Idee, deren Daseinsberechtigung gerade in einem Friedhof, der versöhnlichen Gefühlen den Weg bereiten soll, reichlich deplaciert erscheinen muß." (34)

Die weiteren Projekte stammten von den Bildhauern Mario Petrucci und Fritz Wotruba. Petrucci ersuchte unmittelbar nach der Ablehnung seines Projektes Kulturstadtrat Matejka um eine Revision der Juryentscheidung. (35) Die Interventionsversuche gingen sogar über das Datum der Grundsteinlegung (1. November 1947) hinaus. (36)

Vor der Enthüllung des Denkmals resümierte Viktor Matejka:
"Im Verlauf dieser Zeit wurde auf Grund von Beratungen der drei politischen Parteien des Wiener Gemeinderates die Idee des Denkmals erweitert auf die Zeit von 1934 bis 1938. [...] Das Denkmal trägt aber jetzt folgende Bezeichnung: ‚Den Opfern für ein freies Österreich 1934-1945'. Daß die Opfer im Kampf gegen den Faschismus gebracht wurden, kommt somit nicht zum sichtbaren Ausdruck. Auch der Film ‚Der Engel mit der Posaune', der 1947/48 produziert wurde, schließt mit der unverbindlichen Erklärung: ‚Niemand blieb verschont.' Das sind Bestrebungen, wie sie nicht nur in einem Denkmal und in einem Film zum Ausdruck kommen. Sie sind die Spiegelbilder einer Politik in Österreich, der die lebendige Verbindung mit den toten antifaschistischen Kämpfern und Duldern immer mehr verlorenzugehen droht." (37)

Eine ganz andere Entstehungsgeschichte, gesetzt durch einen couragierten Akt, hat der Gedenkstein für die Opfer der Gestapo auf dem Morzinplatz. Beschlossen wurde diese Aktion unter Übergehung der zuständigen Behörden im Februar 1951 in einer gemeinsamen Sitzung des Wiener Landespräsidiums und des Bundespräsidialausschusses des KZ-Verbandes. Die Enthüllung des ersten Gedenksteins - mit einem Text des Präsidenten des KZ-Verbandes Wilhelm Steiner - erfolgte am 13. April 1951 in den Ruinen der ehemaligen Gestapoleitstelle. Während der Eröffnungsrede des Obmannes des Wiener Landesverbandes Gustav Wegerer bahnte sich eine Gruppe von Verbandsmitgliedern, abgeschirmt durch einen dichten Ordnerkordon, eine Schneise in das Trümmerfeld auf dem Morzinplatz, lud von einem Lastwagen den Stein ab und vollendete nach ca. einer Stunde ihr engagiertes Handeln mit der Enthüllung und Übernahme dieses Gedenksteins in die Obhut des KZ-Verbandes. (38) Am 1. November 1985 wurde der schlichte, mehrfach versetzte Gedenkstein durch ein von der Stadt Wien und der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs gestiftetes und von Leopold Grausam jun. gestaltetes Mahnmal ersetzt.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß einige Gedenkstätten, die vor allem durch Firmenauflösungen und Umsiedlungen vor einem drohenden Abriß standen, durch dankenswerte Initiativen geretten werden konnten. So ließ etwa die gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Aichfeld auf ihrer Wohnhausanlage in der Hellwagstraße 4-8 (20. Bezirk) die Gedenktafel für ermordete Arbeiter der Metallwarenfabrik Blau anbringen. Das Mahnmal für zehn ermordete Arbeiter der ehemaligen Lokomotivfabrik in der Brünner Straße (21. Bezirk) wurde vom Wiener Wirtschaftsförderungsfonds im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt und den zuständigen Wiener Magistratsabteilungen renoviert und am 25. Juli 1988 im Vorgarten des Möbelhauses Lutz, Brünner Straße 57, wieder enthüllt.

"Seitens der Belegschaft der ÖAF-Gräf & Stift AG. besteht der Wunsch, das auf dem Grundstück Brünner Straße 73 befindliche Denkmal auf den neuen Standort der Firma in Wien 23, Brunnerstraße 44-50, mitzunehmen", schrieb der Floridsdorfer Bezirksvorsteher Kurt Landsmann im Dezember 1987 an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Dem antifaschistischen Engagement des Betriebsrates der ÖAF-Gräf & Stift AG. ist es zu danken, daß dieses Denkmal für neun Arbeiter von Austro-Fiat heute im neuen Werksgelände die jungen Betriebsangehörigen an die Zeit des Naziterrors, durch den ihre Kollegen brutal ermordet wurden, erinnert.

Verschwundene Mahnmale und Gedenktafeln

Leider gibt es auch eine Reihe von Gedenktafeln und einige Mahnmale, die in Folge von Hausrenovierungen und Betriebsabsiedlungen nicht mehr existieren. Wir wollen sie der Vergessenheit entreißen:

Der Keller des Hauses im 1. Bezirk, Ruprechtsplatz 5, diente Widerstandskämpfern als geheimer Treffpunkt zur Herstellung von Flugschriften gegen die Nationalsozialisten und Versteck bei drohender Verhaftung. Eine Gedenktafel erinnerte an diese "Stätte der Zuflucht und des Widerstandes für Österreich".

Mit dem Abbruch der Fabriksanlagen von Siemens-Schuckert in der Leopoldstadt, Engerthstraße 150, verschwand auch das von Leopold Metzenbauer gestaltete Mahnmal für drei Widerstandskämpfer aus diesem Betrieb, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Landesgericht Wien enthauptet wurden: Leopoldine Padaurek (geb. 13. 8. 1898), Metallarbeiterin, zuletzt Wicklerin in diesem Betrieb, hingerichtet am 21. November 1944; Ferdinand Platzer (geb. 25. 3. 1906), Elektriker, hingerichtet am 18. Dezember 1942, und Franz Sebek (geb. 30. 4. 1901), Kranführer, hingerichtet am 7. Jänner 1943. Das Mahnmal wurde am 10. Februar 1950, verbunden mit einer Gedenkstunde für die Opfer des 12. Februar 1934, enthüllt. Die Gedenkreden hielten Rosa Jochmann für die SPÖ und Hermann Langbein für die KPÖ.

Bei Renovierungsarbeiten wurde die Gedenktafel für drei Opfer der Familie Klekner von der Fassade ihres Wohnhauses in Favoriten, Erlachgasse 124 entfernt und nicht wieder angebracht. Der Optiker Oskar Klekner (geb. 10. 1. 1923) und der Maschinenkonstrukteur Rudolf Klekner (geb. 15. 12. 1912) wurden am 2. November 1943 im Landesgericht Wien enthauptet. Der Friseur Rudolf Klekner sen. (geb. 3. 1. 1887) starb am 7. Mai 1944 im KZ Buchenwald.

Die Liegenschaft der Steyr-Daimler-Puch Aktiengesellschaft in Favoriten, Laxenburger Straße 131-135, wurde 1994 an eine gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft verkauft. Beim Abbruch des Werkes verloren sich auch die Spuren einer Gedenktafel für sechs Angehörige dieses Betriebes, die für die Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs starben. Eduard Fritsch (geb. 29. 7. 1911), Bauspengler, wurde am 6. November 1941 im KZ Mauthausen erschossen. Erwin Necas (geb. 9. 5. 1910), Spenglergehilfe, starb am 14. Mai 1942 in der Haft im Landesgericht Wien. Die weiteren vier Arbeiter wurden im Landesgericht Wien enthauptet: Rudolf Obermayer (geb. 16. 3. 1905), Automechaniker, am 2. Juni 1943; Felix Okrouhly (geb. 17. 2. 1905), Automechaniker, am 2. Juni 1943; Franz Stampfl (geb. 18. 9. 1895), Schlossergehilfe, am 7. Jänner 1943 und Hans Teufel (geb. 12. 12. 1896), Tischler, am 2. Juni 1943. Die jetzige Favoritner Bezirksvorsteherin ist bemüht, an der neuen Wohnhausanlage eine Gedenktafel für diese Opfer anbringen zu lassen.

Die Gedenktafel in Favoriten, Leebgasse 35, die nach einer Hausrenovierung nicht mehr angebracht wurde, war für den am 2. März 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichteten Eisendreher Heinrich Belohlavek (geb. 26. 9. 1889) geschaffen worden.

Die nicht mehr bestehende Firma Rotmüller-Mewa hatte in ihrem Fabriksgebäude in der Brigittenau, Engerthstraße 59 ihren ermordeten Betriebsangehörigen eine Gedenktafel gewidmet.

Der am 7. Mai 1949 im Hof der Wiener Glashüttenwerke in der Sebastian Kohl-Gasse in Floridsdorf enthüllte Gedenkstein für zwei Arbeiter ist mit dem Verkauf des Betriebsgeländes verlorengegangen. Der Gedenkstein erinnerte an den Schlosser Robert Kislinger (geb. 24. 10. 1904) und den Glasbläsergehilfen Franz Lukas (geb. 23. 11. 1887), die beide am 19. September 1944 im Landesgericht Wien enthauptet wurden.

Nicht mehr vorhanden ist der von Robert Oxenhofer für seinen Arbeitskollegen Franz Stelzel entworfene und am 28. April 1950 enthüllte Gedenkstein im Hof der Landmaschinenfabrik Hofherr-Schrantz. Der Maschinenschlosser Franz Stelzel (geb. 7. 10. 1903) wurde am 10. November 1942 im Landesgericht Wien enthauptet. Die Gedenkrede hielt damals der Obmann des Wiener KZ-Verbandes Gustav Wegerer. Das Gelände in Floridsdorf, Shuttleworthstraße 8, gehört heute der Firma Elin.

Am 27. April 1951 fand im Rahmen einer Maifeier eine Gedenksteinenthüllung in der Lack- und Farbenfabrik Reichhold Flügger & Boecking im 22. Bezirk statt. Im Namen des Bundespräsidiums des KZ-Verbandes hielt Otto Horn die Gedenkrede für zwei Arbeiter dieses Betriebes: Der Farbenreiber Franz Kuttenberg (geb. 1. 11. 1899) wurde wegen seiner Widerstandstätigkeit zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und 1944 in das Wehrmachts-Strafbataillon 999 überstellt. Er geriet in Frankreich in amerikanische Kriegsgefangenschaft und starb am 17. September 1945. Der Hilfsarbeiter Johann Marinic (geb. 3. 6. 1885) wurde wegen "Hochverrats" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und starb am 16. September 1944 in der Haftanstalt Stein/Donau. Der Gedenkstein ist wahrscheinlich im Zuge der Betriebsumsiedlung in Verlust geraten.

Auch die Gedenktafel für Johann Hojdn, enthüllt am 30. April 1948 im Hofe des C-Werkes von Waagner-Biro in Stadlau (22. Bezirk), gilt als verschollen. Der Gußputzer Johann Hojdn (geb. 10. 12. 1894) wurde am 10. November 1942 im Landesgericht Wien enthauptet.

Provisorische und mobile Gedenktafeln

In einem Kreativkurs für Behinderte schufen bildende Künstler (Walter Angerer, Daniel Hirtz und Helmut Kurz-Goldenstein) und Behinderte im Bildungszentrum Aktiv (15. Bezirk) ein Denkmal für die in Hartheim ermordeten Behinderten. Die Präsentation des nicht witterungsbeständigen Mahnmals fand am 14. Mai 1985 im Rahmen einer Veranstaltungsreihe "Zur Vernichtung lebensunwerten Lebens" im Dramatischen Zentrum (7. Bezirk) statt. Einige Monate später erfolgte eine neuerliche Präsentation im Jugendzentrum Ottakring. Dort wurde das Werk im Gedenk- und Bedenkjahr 1988 aus angeblichen "Platzgründen" zerstört und weggeschafft. Die Grazer Autorenversammlung forderte daraufhin die verantwortlichen Politiker Österreichs auf, "die Kunstpädagogik als Teil der Kunstpolitik zu stärken und zu reformieren, damit solche Akte der Unwissenheit und Nichtachtung der Opfer unserer Geschichte nicht mehr gesetzt werden können". (39)

Gedenktafeln konnten und können nicht immer an den entsprechenden Stellen - üblicherweise Hausfassaden - angebracht werden. Gründe der Ablehnung sind etwa eventuelle Haftungsfragen und Schadenersatz nach Demolierungen oder die grundsätzliche Weigerung der Hausbesitzer. Diesem Umstand wirkten schon mehrmals engagierte Menschen mit der Herstellung einer provisorischen bzw. sogenannten mobilen Gedenktafel entgegen:

So enthüllte beispielsweise eine Gruppe von Antifaschisten aus dem 7. Bezirk im November 1988 vor dem Haus Schottenfeldgasse 60 eine provisorische Gedenktafel in Erinnerung an das von Nazivandalen zerstörte jüdische Bethaus des Vereines Neubau. Dabei wurde auf den von SPÖ-Bezirksräten eingebrachten Antrag zur Anbringung einer Gedenktafel verwiesen, die auch an die menschenverachtende Herrschaft des Nationalsozialismus erinnern sowie die entschiedene Verurteilung des Rechtsextremismus der Gegenwart aufzeigen sollte. Der diesbezügliche Antrag war im März 1988 von der Bezirksvertretung Neubau einhellig beschlossen worden. Die Hausbesitzer verweigerten jedoch die Realisierung der Gedenktafel. (40)

Anläßlich des österreichischen Nationalfeiertages 1994 luden die Volkshochschule Simmering und die LaWie-Gesellschaft für Kunst und Volksbildung 17 mobile Gedenktafeln auf einen Pferdewagen, der zeitgeschichtlich Interessierten auf ihrem Weg durch die Bezirke Simmering und Landstraße voranfuhr. An den jeweiligen Gedenkstätten, etwa vor den Wohnhäusern ermordeter jüdischer Bürgerinnen und Bürger oder in der Braunhubergasse 7, wo bis zum November 1938 die Synagoge des Tempelvereines Simmering stand, wurde die betreffende Gedenktafel aufgestellt und eine kurze Erinnerungsfeier abgehalten. Die verdienstvollen Organisatoren waren von der Exekutive vorgewarnt worden, daß bei unbefugter - selbst kurzfristiger - Anbringung von Gedenktafeln mit Besitzstörungsklagen zu rechnen sei. So drohte etwa in Simmering die Verwaltung eines Hauses, dessen Parzelle bis 1938 in jüdischem Besitz war, im Falle der Anbringung einer Gedenktafel mit der sofortigen Herbeiholung der Polizei. Mit dieser Form der mobilen Gedenktafeln wollten die Veranstalter möglichen Protesten, die Polizeieinsätze nach sich gezogen hätten, aus dem Wege gehen. (41)

Initiativen

Durch die Freilegung der oft verschütteten und in Vergessenheit geratenen Spuren der Denkmalsetzungen konnten die Bearbeiter des Projektes "Gedenken und Mahnen in Wien" aus den reichhaltigen Materialsammlungen bereits mehrmals Anregungen und Unterstützungen für andere Arbeiten geben. Besonders erfreulich waren die Forschungsarbeiten von Schülerinnen und Schülern, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Unterrricht und Kunst initiierten Projektes "Denkmal und Erinnerung" das DÖW besuchten und hier auch fündig wurden.
Repräsentanten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Archivs treten oftmals mit Anregungen zu diesem Thema an die Öffentlichkeit. In der Grundsatzerklärung über die Tätigkeit des DÖW, eingebracht von Ludwig Jedlicka, August Maria Knoll, Paul Schärf und Herbert Steiner in der Proponentensitzung am 11. Februar 1963, heißt es:
"Das Archiv soll vor allem durch dokumentarische Beweise der zeitgeschichtlichen Erziehung der Jugend dienen. Sie soll mit den schrecklichen Folgen des Verlustes der Unabhängigkeit und Freiheit Österreichs sowie mit dem heldenhaften Kampf der Widerstandskämpfer bekannt gemacht werden."

In diesem Sinne werden auch Ansuchen um Verkehrsflächenbenennungen gestellt. Unter den letzten waren jene betreffend Raoul Wallenberg, Aristides de Sousa Mendes und Josef Hindels. (42)

Nach wie vor steht im Unterausschuß des Wiener Gemeinderates für Verkehrsflächenbenennungen ein von den Penzinger Grünen und der SPÖ Penzing eingebrachter Antrag zur Diskussion: Stellvertretend für alle anonym gebliebenen Opfer des Naziterrors soll ein Fußweg als "Ehepaar Weinfeld-Weg" benannt werden. Das jüdische Ehepaar Hersch und Dwoire Weinfeld wurde 1938 aus dem Gemeindebau Somogyihof, 1140, Hütteldorfer Straße 150-1958, vertrieben und starb nach der Deportation aus Wien im Ghetto Theresienstadt. (43)

Der wissenschaftliche Leiter des DÖW Wolfgang Neugebauer wurde in die Bestrebungen der Stadt Wien eingebunden, die teils bis heute erhaltenen Gehirnpräparate hunderter Kinder und Jugendlicher, welche im Zuge der NS-Euthanasie in der Kinderklinik "Am Spiegelgrund" getötet wurden (44), in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof zu bestatten. Für die sterblichen Überreste jener jüdischen Kinder, die "Am Spiegelgrund" Opfer des NS-Regimes wurden, fand am 14. September 1997 in der Zeremonienhalle auf dem Wiener Zentralfriedhof/Neuer jüdischer Friedhof das Begräbnis statt.

Auf Vorschlag des DÖW wurde vor kurzem in der Bezirksvertretung Hietzing eine Gedenktafel am Steinitz-Hof (1130, Hietzinger Kai 7) mit folgendem Wortlaut beschlossen: "Dr. Heinrich Steinitz / geboren am 30. August 1879 in Bielitz - lebte und wirkte in Hietzing / Sozialdemokrat, Anwalt vieler Verfolgter, Schriftsteller und Kämpfer gegen die Faschismus. / Am 14. März 1938 von der Gestapo verhaftet, inhafiert in den KZs Dachau und Buchenwald, / ermordet im Oktober 1942 in Auschwitz-Birkenau."

Einstimmig beschloß die Bezirksvertretung Floridsdorf am 18. Juni 1997, eine öffentliche Grünfläche im Bereich Leopoldau in "Friessneggpark" zu benennen. Anna (1899-1965) und Ludwig Friessnegg (1897-1966) versteckten 1944 die im Siemens-Werk zur Zwangsarbeit eingesetzte ungarische Jüdin Aranka (Malvine) Deutsch bis zur Befreiung 1945. Am 19. Februar 1985 nahmen Anna Manzer und Eduard Stecher für ihre verstorbenen Eltern die Ehrenurkunde und -medaille von Yad Vashem, der Holocaust-Helden- und -Märtyrer-Gedenkstätte in Jerusalem, entgegen. (45)

Sehr erfreulich ist die aufgrund unserer Recherchen über Erinnerungszeichen in Kirchen entstandene Initiative von Pfarrer Elmar Mayer (Pfarre Breitenfeld im 8. Bezirk):
"Ich danke für Ihr Schreiben vom Dezember 1996. Leider gibt es über unseren ‚Märtyrer' Franz Kohl (46) keine Gedenktafel, aber Ihr Schreiben hat mich dazu gebracht, aus Anlaß des 100jährigen Bestehens der Pfarre eine derartige Tafel anbringen zu lassen."

Editorische Vorbemerkungen

Die vorliegende Publikation ist nach den Bezirken Wiens (von der Inneren Stadt bis Liesing) geordnet. Die Darstellung der einzelnen Erinnerungszeichen gliedert sich in drei Unterabschnitte:

Der erste Abschnitt dokumentiert die Form des Gedenkens (Gedenktafel, Mahnmal, Stele, Büste, Verkehrsfläche, Wohnhausanlage, Grabstätte), die Inschriften bzw. Texte, den Stifter/die Stifterin, den Gestalter/die Gestalterin der Gedenkstätte sowie Datum und Ablauf der Enthüllungs- bzw. Benennungsfeier. Die oft aus künstlerischen Gründen eigenwillige Orthographie und Grammatik wurden kommentarlos übernommen, nicht korrekt angegebene Namen und Daten werden in der Folge richtiggestellt.

Die biographischen Angaben des zweiten Abschnitts informieren über Widerstand bzw. Verfolgung der betroffenen Personen. Durch umfangreiche Recherchen konnten viele Einzelschicksale aufgedeckt werden, über die bisher nichts bekannt war. Wesentliches Anliegen war es, zu den bisher biographisch nicht erfaßten Opfern persönliche Informationen wie Geburtsdatum, Art des Widerstandes und der Verfolgung, Todesdatum und Todesart - bei Überlebenden deren weiteres Schicksal - zu eruieren. (47) Trotz intensiven Bemühens ist es jedoch in einigen wenigen Fällen nicht gelungen, biographische Eckdaten zu erhalten.

Der dritte Abschnitt bietet Hinweise auf Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften der Widerstands- und Opferorganisationen betreffend die Benennung und Enthüllung der Gedenkstätten. Herangezogen wurden:

Der Freiheitskämpfer. Organ der Kämpfer für Österreichs Freiheit. Hrsg.: ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten.
Der neue Mahnruf. Zeitschrift für Freiheit, Recht und Demokratie. Hrsg.: Bundesverband österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus (KZ-Verband).
Der sozialistische (sozialdemokratische) Kämpfer. Hrsg.: Bund sozialistischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus.
Außerdem wurden verwendet: "Die Gemeinde. Offizielles Organ der Israelitischen Kultusgemeinde Wien", "Die Rathaus-Korrespondenz" sowie vor allem zu kontroversiellen Auseinandersetzungen eine Auswahl von Tageszeitungen und Zeitschriften.

Weiterführende allgemeine und personenbezogene Literatur:

Autengruber, Peter: Lexikon der Wiener Straßennamen, 2. überarbeitete Aufl. Wien 1997.

Budig, Robert S., Gertrude Enderle-Burcel, Peter Enderle: Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof, Wien o. J.

Denkmäler der Arbeiterbewegung. Mit Beitr. v. Berthold Unfried u. Herbert Exenberger. Hrsg.: Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien 1993. (Dokumentation 1/93)

Ernst, Peter: Wiener Literaturgesdenkstätten. Hrsg. v. Felix Czeike, Wien 1990.

Exenberger, Herbert: Antifaschistischer Stadtführer. Hrsg. v. Wiener Bildungsausschuß der SPÖ, Wien 1985.

Exenberger, Herbert, Helge Zoitl: Februar 1934 in Wien, Wien 1984.

Fein, Erich: Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes, Mahnmale für die Opfer des Faschismus. Eine Dokumentation. Hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs, Wien 1975.

Genée, Pierre: Wiener Synagogen 1825-1933, Wien 1987.
Die Guillotinierten. Namensliste der durch das Fallbeil im Wiener Landesgericht durch die Nazihenker Ermordeten. Hrsg.: Kommunistische Partei Österreichs, Wien (1946).

Hauer, Nadine, Ernst Fuhrherr: Stadtführer Wien 1918-1945. Mit Abb., Wien 1990. Faltprospekt.

Havelka, Hans: Der Wiener Zentralfriedhof. Hrsg. v. Felix Czeike, Wien 1989.

Kretschmer, Helmut: Wiener Musikergedenkstätten. Hrsg. v. Felix Czeike, Wien 1988.

Lauber, Wolfgang: Wien. Ein Stadtführer durch den Widerstand, Wien 1987.

Rossa, Ludwig: Straßenlexikon von Wien, 2. Aufl. Wien 1947.

Schubert, Peter: Schauplatz Österreich. Topographisches Lexikon zur Zeitgeschichte in drei Bänden. Band 1: Wien, Band 2: Bundesländerorte A-K, Band 3: Bundesländerorte L-Z, Wien 1976.

Seiler, Dietmar: Im Labyrinth der Geschichtspolitik. Die Erinnerung an die Shoa im öffentlichen österreichischen Gedächtnis, in: Zeitgeschichte, 24. Jg., H. 9/10, 1997, S. 281-301.

Seiter, Josef: Vergessen - und trotz alledem - erinnern. Vom Umgang mit Monumenten und Denkmälern in der weiten Republik, in: Österreich 1945-1995. Gesellschaft, Politik, Kultur. Hrsg. v. Reinhard Sieder, Heinz Steinert u. Emmerich Talos, Wien 1995, S. 684-705.

Steines, Patricia: Hunderttausend Steine. Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof Tor I und Tor IV. Mit e. Textbeitrag v. Karl-Albrecht Weinberger, Wien 1993.

Stimmer, Kurt (Hrsg.): Die Arbeiter von Wien. Ein sozialdemokratischer Stadtführer, Wien 1988.

Uhl, Heidemarie: Denkmalkultur und Zeitgeschichte. Veränderungsprozesse und Konflikte in der regionalen Denkmallandschaft seit 1945, in: Lebenszeichen. 10 Jahre Abteilung Zeitgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Hrsg. v. d. Abteilung Zeitgeschichte, Graz 1994, S. 169-195.

Dies.: Erinnerung als Versöhnung. Zur Geschichtspolitik der Zweiten Republik, in: Zeitgeschichte, 23. Jg., H. 5/6, 1996, S. 146-160.

Dies.: Denkmäler als Symbole des Geschichtsbewußtseins in der Zweiten Republik, in: Grenzenloses Österreich. Dokumentation 5. Hrsg. v. Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr, Wien 1997, S. 109-128.

Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1938. Eine Dokumentation, 3 Bde., Hrsg.: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, 2. Aufl. Wien 1984.Wiener Stationen zum Gedenken an das Jahr 1938. Redaktion: Hans Wenzl, Wien 1988.

Zum Tode verurteilt. Hrsg.: Bundesverband Österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus (KZ-Verband), Wien o. J.


Anmerkungen:

(1) Berthold Viertel (geb. 28. 6. 1885) war Mitbegründer und Dramaturg der Wiener Volksbühne und gründete 1923 in Berlin das Theater "Die Truppe". 1933 emigrierte er nach England und später in die USA. 1944 zählte Viertel zu den Mitbegründern des "Aurora-Verlages" in New York und kehrte 1948 nach Wien zurück, wo er als Regisseur am Burgtheater arbeitete. Viertel starb am 24. September 1953 und wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

(2) Der Zeitraum 1934-1945 bezieht sich auf § 1 Abs. 2 des Opferfürsorgegesetzes (Bundesgesetz vom 4. Juli 1946, BGBl. 183, über die Fürsorge für die Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich und die Opfer politischer Verfolgung; Stand vom 1. 3. 1992), wo es u. a. heißt: "Als Opfer der politischen Verfolgung im Sinne dieses Bundesgesetzes sind Personen anzusehen, die in der Zeit vom 6. März 1933 bis zum 9. Mai 1945 aus politischen Gründen oder aus Gründen der Abstammung, Religion oder Nationalität durch Maßnahmen eines Gerichtes, einer Verwaltungs- (im besonderen einer Staatspolizei-) Behörde oder durch Eingriffe der NSDAP einschließlich ihrer Gliederungen in erheblichem Ausmaße zu Schaden gekommen sind."

(3) Fein, Erich: Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes. Mahnmale für die Opfer des Faschismus, Wien 1975.

(4) Die Ostara war eine 1922 illegal gegründete monarchistisch orientierte, rechtsradikale militärische Formation.

(5) Die Gedenkfeier für Karl Tlasek, in: Arbeiter-Zeitung, 16. 10. 1946.

(6) Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung (VGA), SD Parteistellen, Karton 92.

(7) Danneberg, Robert: Die Wiener Straßennamen, in: Arbeiter-Zeitung, 9. 11. 1919.

(8) Die Kommission für die Umbenennung von Straßennamen, in: Reichspost, 23. 2. 1934.

(9) Eine Kommission für die Umbenennung von Straßennamen, in: Reichspost, 22. 2. 1934.

(10) Die Gräber der Wiener Februargefallenen, in: Arbeiter-Zeitung, Nr. 7, 8. 4. 1934.

(11) DÖW 13.144. Korrespondenzen von Maria Weissel mit den Behörden über die Entfernung der Inschrift auf dem Grabstein ihres justifizierten Mannes. Das Grab von Ing. Georg Weissel befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 87/Reihe 42/Grab 11-13.

(12) VGA, SPÖ Parteiarchiv. Protokoll über die Sitzung der Organisationskommission am 9. Dezember 1947 und am 16. Dezember 1947.

(13) Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Vaterländische Front, Betreff: Dollfuß-Denkmäler, Karton Nr. 5.

(14) Über die Rückbenennungen von Verkehrsflächen informiert am 15. Februar 1949 die "Rathaus-Korrespondenz": "Unmittelbar nach der Befreiung Wiens im April 1945 setzte auch die Säuberung der Wiener Straßennamen vom nationalsozialistischen Gedankengut ein. Die Rück- und Umbenennung von Verkehrsflächen, die nach Nationalsozialisten benannt worden waren, wurde noch im Jahre 1945 abgeschlossen. In den Jahren 1946 und 1947 konnte sodann mit der Rückbenennung jener Verkehrsflächen begonnen werden, die in der nationalsozialistischen Ära umbenannt worden waren. [...] Im Oktober und November 1948 befaßte sich ein aus Vertretern der drei politischen Parteien und des Wiener Magistrates bestehendes Komitee unter Beiziehung der Bezirksvorsteher und Bezirksvorsteher-Stellvertreter mit der Frage der Benennung." 1993 begann die Stadt Wien damit, die Namen von Verkehrsflächen mit Erläuterungstafeln zu versehen. Siehe dazu: Rossa, Ludwig: Straßenlexikon von Wien, 2. Aufl. Wien 1947; Javorsky, Friedrich: Lexikon der Wiener Straßennamen, Wien 1964; Simbrunner, Peter: Straßennamen von A bis Z, 4. bearb. Aufl. Wien 1989; Autengruber, Peter: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, Hintergrundinformation, frühere Bezeichnung(en), Wien 1995.

(15) Wir wollen sie nicht mehr sehen. Jüdische Denkmäler verschwinden aus Wien, in: Kleine Volks-Zeitung, 25. 11. 1938. Siegfried Marcus (18. 9. 1831-30. 6. 1898), Mechaniker und Erfinder; Eduard Suess (20. 8. 1831-26. 4. 1914), Geologe und Politiker; Anselm Salomon Rothschild (23. 1. 1803-27. 7. 1874), Bankier, leistete Pionierdienste für das österreichische Eisenbahnwesen.

(16) Notschrei, Nr. 8, 1932.

(17) Czeike, Felix: II. Leopoldstadt, Wien 1980. (Wiener Bezirkskulturführer)

(18) Rathaus-Korrespondenz, 15. 2. 1949.

(19) Der Prozeß gegen den Stabsleiter des Gebietskommissariats Wilna/Stadt, Franz Murer (LG Graz 4 Vr 1811/62) vom 10. bis 19. 6. 1963 endete mit einem Freispruch.

(20) Mithlinger-Feier in der Rasenstadt, in: Neues Österreich, 7. 8. 1945.

(21) Straßenbahner ehren ihre Heldenopfer. Feierliche Gedenktafelenthüllung in Favoriten, in: Österreichische Volksstimme, 23. 10. 1945.

(22) Gedenkfeier im Straßenbahnhof Favoriten, in: Arbeiter-Zeitung, 23. 10. 1945.

(23) Ewiger Ruhm der gefallenen Helden der Befreiung Wiens, in: Österreichische Zeitung, 21. 8. 1945.

(24) Freie Sicht aufs Palais Schwarzenberg! Ein Plädoyer für die Entstalinisierung des 1. Wiener Hochstrahlbrunnens, in: Der Standard, 7. 5. 1990.

(25) Im Artikel 19/Absatz 1 des Österreichischen Staatsvertrages heißt es: "Österreich verpflichtet sich, die auf österreichischem Gebiet befindlichen Gräber von Soldaten, Kriegsgefangenen und zwangsweise nach Österreich gebrachten Staatsangehörigen der Alliierten Mächte und jener der anderen Vereinten Nationen, die sich mit Deutschland im Kriegszustand befanden, zu achten, zu schützen und zu erhalten; desgleichen die Gedenksteine und Embleme dieser Gräber sowie Denkmäler, die dem militärischen Ruhm der Armeen gewidmet sind, die auf österreichischem Staatsgebiet gegen Hitler-Deutschland gekämpft haben."

(26) Oswald, Peter: Russendenkmal, in: Bezirksjournal Landstraße, Nr. 8, 1992. Siehe dazu: Kropf, Rudolf, Michael John: Ist Wels eine "braune" Stadt? Hrsg.: Arbeitskreis "Politische Bildung im Institut für angewandte Entwicklungspolitik", Linz 1992; Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg.: Stiftung DÖW. Bearbeitung: Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer, 2. Aufl. Wien 1996.

(27) Mahnmal für die österreichischen Opfer der Shoa. Eine unendliche Geschichte?, in: Die Gemeinde, Nr. 467, Jänner 1997. Siehe dazu: Judenplatz Wien 1996. Wettbewerb Mahnmal und Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Naziregimes in Österreich 1938-1945. Stadt Wien, Kunsthalle Wien, Wien-Bozen 1996.

(28) Wetzel, Bruno: Holocaust-Mahnmal auch in Wien. "Nazi-Jäger" Wiesenthals Triumph, in: Deutsche National-Zeitung, Nr. 32, 4. 8. 1995.

(29) IKG-Plenum debattierte Mahnmal am Judenplatz, in: Die Gemeinde, Nr. 468, Februar 1997.

(30) Die Gemeinde Wien ehrt die Opfer des Faschismus, in: Rathaus-Korrespondenz, 30. 10. 1945.

(31) Sammelmappe: Denkmal am Zentralfriedhof. Angelegt von Dr. Viktor Matejka, dem DÖW überlassen.

(32) Dr. Kr./U.: Enthüllung des Denkmals, gewidmet "Den Opfern für ein freies Österreich (1934-1945)". Unterlagen. Sammelmappe: Denkmal am Zentralfriedhof (DÖW).

(33) Mag. Abt. 19-320/47. Wettbewerb "Denkmal für die Nazi-Opfer am Zentralfriedhof" 9. Juli 1947. Verhandlungsschrift über die Sitzung des Preisgerichtes vom 5. 7. 1947. An der Sitzung nahmen teil: Vizebürgermeister Paul Speiser in Vertretung des Herrn Bürgermeisters, Stadtrat Karl Flödl in Vertretung des Herrn Vizebürgermeisters Lois Weinberger, die Stadträte Franz Novy, Anton Rohrhofer, Dr. Viktor Matejka, der Direktor der Hochschule für angewandte Kunst Prof. Max Fellerer, Prof. Alfred Hoffmann, Gemeinderätin Helene Potetz, Dr. Franz Sobek und Frau Mach für den Landesverband der politisch Verfolgten, Stadtbaudirektor Dipl. Ing. Gundacker und Oberbaurat Dipl. Ing. Erich Leischner. Sammelmappe: Denkmal am Zentralfriedhof (DÖW).

(34) Ein mißglückter Denkmal-Entwurf, in: Das Kleine Volksblatt, 7. 12. 1947.

(35) Mario Petrucci an Viktor Matejka, 16. Juli 1947. Sammelmappe: Denkmal am Zentralfriedhof (DÖW).

(36) Ing. Hanns Miedel an Viktor Matejka, 21. Dezember 1947. Sammelmappe: Denkmal am Zentralfriedhof (DÖW).

(37) Matejka, Viktor: Es geht um mehr als ein Denkmal, in: Der Abend, 30. 10. 1948.

(38) Die Geschichte eines Steines, in: Der neue Mahnruf, Nr. 11, November 1968.

(39) Siehe dazu: Podgornik, Lotte: Was in Hartheim wirklich geschah. Ein Denkmal erinnert an die ermordeten Behinderten der NS-Zeit, in: Volksstimme, 10. 5. 1985; Kain, Eugenie: Skandal um Denkmal für die in Hartheim Ermordeten, in: Volksstimme, 4. 12. 1985; Grassl, Gerald: Unwertes Leben - wertlose Kunst? Denkmal für Hartheim zerstört, in: Volksstimme, 17. 9. 1988; Unernste Angebote. Zerstörtes Hartheim-Denkmal, in: Kurier, 9. 10. 1988; Regenermel, Gaby: Denk mal, in: profil, 20. 3. 1989.

(40) Provisorische Tafel soll an Synagoge gedenken, in: AZ, 9. 11. 1988; Volksstimme, 12. 11. 1988.

(41) Gedenktafeln nur auf Pferdekarren, in: Neue Zeit, 25. 10. 1994.

(42) Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg rettete 1944/45 in Budapest vielen verfolgten Juden, darunter auch Österreicherinnen und Österreicher, das Leben. Der portugiesische Diplomat Aristides de Sousa Mendes stellte entgegen der Anweisung seiner Regierung im Sommer 1940 als Generalkonsul in Bordeaux tausende Visa für jüdische Flüchtlinge aus. Josef Hindels war weit über seine politische Tätigkeit hinaus eine Symbolfigur des Antifaschismus in Österreich.

(43) Die Benennung der Verkehrsfläche Weinfeldweg mit Erläuterungstafel ("Dwoire und Hersch Weinfeld - umgekommen im KZ Theresienstadt - stellvertretend für die Opfer des Holocaust") wurde vom Gemeinderatsausschuß für Kultur am 5. Dezember 1997 beschlossen.

(44) Siehe Gedenkstätten 1140, Baumgartner Höhe 1.

(45) Die Benennung der Parkanlage Friessneggpark mit Erläuterungstafel ("Anna und Ludwig Friessnegg - haben unter Lebensgefahr Opfern des NS-Regimes Hilfe geleistet") wurde vom Gemeinderatsausschuß für Kultur am 5. Dezember 1997 beschlossen. Das Stadtgartenamt stellte Anfang Dezember 1997 eine Erläuterungstafel mit folgendem Text auf: "Benannt nach dem Ehepaar Anna und Ludwig Friessnegg, welches in der NS-Zeit Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln und Kleidern versorgte sowie eine ungarische Jüdin verbarg. (Anna Friessnegg 1899-1965, Ludwig Friessnegg 1897-1966)."

(46) Der Buchhalter Franz Kohl (geb. 27. 4. 1891), der von 1910 bis 1938 Mitglied und Funktionär der Christlichsozialen Partei (Bezirksrat, Fürsorgerat) bzw. der Vaterländischen Front (Amtswalter) war, wurde wegen "Beihilfe zum Hochverrat" (Unterstützung kommunistischer Widerstandskämpfer) zum Tode verurteilt und am 26. Februar 1943 im Landesgericht Wien enthauptet.

(47) Weitere Informationen zu Personen und Thematik finden sich in den Archiv- und Bibliotheksbeständen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), 1010 Wien, Wipplingerstraße 8, sowie in den Publikationsreihen des DÖW, wie: Widerstand und Verfolgung in den österreichischen Bundesländern 1934-1945 (zur vorliegenden Publikation insbesondere: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.), Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945. Eine Dokumentation, 3 Bde., 2. Aufl. Wien 1984), Österreicher im Exil 1938-1945 und Erzählte Geschichte. Berichte von Widerstandskämpfern und Verfolgten.


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