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Brigitte Bailer Neugestaltung der Österreichischen Gedenkstätte
im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau Am 19. März 1978, aus Anlass der 40jährigen Wiederkehr des "Anschlusses" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich, wurde die Österreichische Gedenkstätte in Auschwitz eröffnet. Ihre Errichtung war das Ergebnis langjähriger Bemühungen der in der Lagergemeinschaft Auschwitz zusammengeschlossenen Überlebenden des Lagers, für die vor allem das Gedenken an die österreichischen Opfer des KZ Auschwitz im Vordergrund stand. Die Gedenkstätte sollte über den spezifischen österreichischen Kontext der nationalsozialistischen Verfolgung informieren. Ihre inhaltliche Gestaltung erfolgte in Zusammenarbeit der ehemaligen Häftlinge mit jüngeren HistorikerInnen. Damit entsprach diese Ausstellung dem damaligen auch in der österreichischen Zeitgeschichtsforschung vorherrschenden Geschichtsbild. Die in der Gedenkstätte noch im Vordergrund stehende These von Österreich als dem ersten Opfer der Hitlerschen Aggressionspolitik wurde seit Mitte der 1980er das durch die historische Forschung ebenso wie einen damit eng verbundenen Wandel des gesellschaftlichen Bewusstseins gegenüber der NS-Vergangenheit in den Hintergrund gedrängt. In den 1990er Jahren sprachen österreichische Politiker erstmals von einer Mitverantwortung von Österreichern und Österreicherinnen an den Verbrechen des NS-Regimes. Die an der österreichischen Ausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz in den letzten Jahren zunehmend auch von österreichischen Besuchern und Besucherinnen geübte Kritik speist sich vor allem aus dieser gesellschaftlichen Einstellungsänderung. Eine kritische Überprüfung der durch die Österreichische Gedenkstätte transportierten Inhalte mit dem Ziel einer Neugestaltung erscheint notwendig bzw. überfällig, nicht zuletzt auch angesichts der Tatsache, dass zahlreiche andere nationale Ausstellungen in der staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bereits neu gestaltet worden sind bzw. sich in Umgestaltung befinden. 2006 wurde eine Projektgruppe bestehend aus Brigitte Bailer, Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Bertrand Perz, stv. Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, und Heidemarie Uhl, Österreichische Akademie der Wissenschaften, gebildet, die das Ziel hatte, die Österreichische Gedenkstätte im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau auf wissenschaftlicher Basis zu dokumentieren, einer kritischen Analyse zu unterziehen und konzeptionelle Überlegungen für eine Neugestaltung zu erarbeiten. Dieses Projekt wurde durch den Nationalfonds gefördert. Der nunmehr vorliegende Bericht soll als Grundlage für die nächsten Schritte zur Neugestaltung der Österreichischen Gedenkstätte dienen, er versteht sich nicht als ein konkretes Drehbuch für die neue Ausstellung, das ohne weitere Recherchearbeiten wie gezielte Forschungen zu einzelnen Fragestellungen gar nicht erstellt werden kann. Zunächst bedarf es aber vor allem eines Vertrages der Republik Österreich mit der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, aufgrund dessen dann eine Projektgruppe mit dem konkreten Ziel einer Neugestaltung durch die Republik beauftragt werden kann. Die angestrebte Realisierung des Projekts erfordert daher eine politische Willensbildung, d.h. einen offiziellen Beschluss seitens der österreichischen Bundesregierung zur Neugestaltung der Österreich-Ausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bzw. zur Finanzierung dieses Vorhabens. Wien, Juni 2008 | |
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