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Kurt Grabenhofer (1922 - 1944)

"... Vorgesetzteneigenschaft in schändlicher Weise missbraucht"

 

Opfer der NS-Militärjustiz

 

 

Kurt Grabenhofer aus Graz wurde 1944 wegen Hochverrats und Kriegsverrats vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt.

 

Der am 29. 1. 1922 geborene Maturant meldete sich im Dezember 1939 als Kriegsfreiwilliger zum Ersatz-Bataillon des Gebirgsjäger-Regiments 138 in Leoben. 1940/1941 war er in Norwegen im Einsatz, Ende September 1942 wurde er bei Leningrad verschüttet und erlitt mehrere Verletzungen. Im Dezember 1942 nach Graz zurückgekehrt, lernte er dort den Finanzbeamten Wilhelm Fritsch (1906-1944) kennen. Beide waren sich einig, "dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen könne. Er [Grabenhofer] verabredete daher mit ihm, ‚im kritischen Augenblick‘, d. h. im Zeitpunkt des Eintretens von inneren Unruhen, bewaffnete Gruppen zu bilden, mit diesen einen etwaigen Widerstand kommunistischer oder nationalsozialistischer Gruppen bis zur Besetzung des Landes durch die Engländer und Amerikaner gewaltsam niederzukämpfen und auf die Lostrennung der Alpen- und Donaugaue vom Reich und die Wiedererrichtung einer österreichischen Monarchie hinzuarbeiten". (Feldurteil des Reichskriegsgerichts, 16. 3. 1944)

 

Mit Fritsch blieb Grabenhofer auch nach seiner Einrückung nach Leoben (Juni 1943) und in die Oberkrain, wo er ab Mitte November 1943 das Kommando über den gegen slowenische Partisanen eingesetzten Streckenschutzzug Aßling übernahm, in Verbindung. In Aßling (Jesenice) nahm Grabenhofer Kontakt zu Partisanen auf, denen er im Zuge von drei Treffen im Dezember 1943 einige Waffen lieferte; im Urteil ist von "mindestens 1000 Schuss Gewehrmunition, 25 Handgranaten und 2 Gewehre[n]" die Rede. Grabenhofer gewann mehrere Soldaten zur Mitarbeit, u. a. seinen früheren Schulkameraden Harald Kern (1924-1944), der "sich trotz des Hinweises, dass es um den Kopf ginge, sofort bereit [erklärte], mitzutun". Zu einer geplanten Desertion Grabenhofers zu den Partisanen sollte es nicht mehr kommen - ein vermeintlicher Mitstreiter verriet die Gruppe, Grabenhofer wurde Ende Dezember 1943 festgenommen.

 

Vor Gericht begründete er seine Handlungen damit, dass er "seit seiner Verschüttung eine Abneigung gegen den Krieg und gegen das bestehende Regime gefasst" habe. Am 16. 3. 1944 wurde er - ebenso wie Harald Kern - zum Tode verurteilt. Als "ganz besonders verabscheuenswert" wertete das Reichskriegsgericht, dass "der Angeklagte seine Vorgesetzteneigenschaft in schändlicher Weise missbraucht und eine größere Anzahl seiner Untergebenen bedenkenlos für seine verbrecherischen Ziele eingespannt und ausgenützt hat".

 

Admiral Bastian bestätigte am 4. 4. 1944 das Urteil, wobei die Strafvollstreckung gegen Grabenhofer vorerst ausgesetzt wurde, um festzustellen, "ob und wie lange er in dem Strafverfahren gegen Ritter von Fritsch und andere [...] als Zeuge benötigt wird". (Wilhelm Fritsch wurde am 19. 7. 1944 vom Volksgerichtshof ebenfalls zum Tode verurteilt.)

 

Harald Kern wurde am 19. 5. 1944, Kurt Grabenhofer am 11. 8. 1944 in Halle an der Saale hingerichtet.

 

 

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