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Manhart, Johann Raimund

Österreichische Stalin-Opfer (bis 1945)

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Name russisch: Мангарт Ганс Иванович

Geboren: 1896, Wien

Beruf: Schlosser

Letzter Wohnort in Österreich: Wien

Ankunft in Russland/Sowjetunion: 1916

Wohnorte in der Sowjetunion: Vladivostok, Blagoveščensk (Amurskaja obl.)

Verhaftet: 1938

Anklage: Landesverrat

Urteil: 29.12.1939, Sonderberatung (OSO), 3 Jahre Lagerhaft

Emigrationsmotiv: Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs

Schicksal: unbekannt

 

Johann (Hans) Herbert Manhart wurde 1896 in Wien geboren. Nach einer Ausbildung als Ingenieur arbeitete er bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen. Bereits in früher Jugend schloss er sich den Sozialdemokraten an. Ab 15. April 1915 diente er im Ersten Weltkrieg in der k.u.k. Armee, bis er 1916 in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Es gelang ihm zwei Mal, aus dem Kriegsgefangenenlager zu entkommen, die Flucht in eine neutrales Land scheiterte jedoch und er wurde einmal in der Nähe der norwegischen Grenze, das zweite Mal in der Nähe der persischen Grenze wieder verhaftet. Ab Jänner 1917 musste er in einem Kohlebergwerk bei Ceremchovo im Gouvernement Irkutsk unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Neben Kriegsgefangenen arbeiteten im Bergwerk auch Studenten und russische Intellektuelle, die als Gegner des Zaren inhaftiert worden waren. Nicht wenige waren Kommunisten oder sympathisierten mit ihnen. Nach der Februar-Revolution wurden die Gefangenen aus dem Bergwerk entlassen und Manhart wurde in ein Kriegsgefangenenlager bei Irkutsk verlegt. Dort schloss sich er sich den Kommunisten an und blieb freiwillig in Russland. 1921 war er Kommandeur eines Panzerzuges. Nach Beendigung der Kämpfe im Fernostgebiet wurde er demobilisiert, er arbeitete dann als technischer Leiter von Maschinen-Traktoren-Stationen.

 

1927 berichtete die österreichische Gesandtschaft in Moskau nach Wien, dass Manhart verheiratet und als Handelsangestellter in Vladivostok tätig sei. 1938 wurde Manhart verhaftet. Am 29. Dezember 1939 wurde er wegen Landesverrats zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt. Herbert Killian lernte Manhart und seine zweite Frau Johanna (Мангарт Иоганна Альбертовна, geboren 1904 in Aachen, früherer Name Wilke, rehabilitiert 1996) im Verlauf seiner Rückreise aus dem Gulag im Fernen Osten kennen. Johanna Wilke war als Jüdin aus Berlin geflüchtet und lernte Manhart in der Verbannung kennen, wahrscheinlich durften beide nach der Verbüßung ihrer Lagerstrafe das Gebiet nicht verlassen. Das Paar heiratete um 1953 und hatte drei Kinder, wobei allerdings nur das jüngste von Manhart stammte. Die beiden älteren Kinder, deren Vater Walter Wilke ebenfalls Opfer der stalinistischen Repressionen geworden war, wurden von Hans Manhart adoptiert. Ende 1958 übersiedelte Hans Manhart mit seiner Familie in die DDR, wo er bis zu seiner Pensionierung bei den Berliner Gaswerken tätig war. Er starb am 3. November 1965 in Berlin.

 

Der Wiener Josef Taschner, der 1934 als Schutzbund-Kind nach Moskau gekommen war, lernte Manhart und seine Familie 1954 im Gebiet Magadan kennen.

 

Als Herbert Killian nach der Rückkehr nach Österreich Manharts Bruder Leopold, einen im Westen von Wien lebenden Kriminalbeamten, aufsuchte, musste er zur Kenntnis nehmen, dass dieser jeden Kontakt zu seinem Bruder wegen dessen kommunistischer Sympathien verweigerte.

 

 

Quelle: lists.memo.ru, ÖStA, http://www.erinnerung.dp.ua/vojna/1152-zapiski-internacionalista.html, Familie

Siehe auch Herbert Killian, Geraubte Jugend, Berndorf 2010, S. 24 f., S. 124; Weltenwende - wir waren dabei. Erinnerungen deutscher Teilnehmer an der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und an den Kämpfen gegen Interventen und Konterrevolutionäre 1917-1920, Berlin 1962, S. 197-217.

 

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