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Terezija Urbancic: Köchin im Bataillon

Terezija Urbančič (Slavka), geb. 1903 in Remschenig/Remšenig, Bäuerin. Ihr Mann war bei den Kärntner PartisanInnen, sie lebte mit ihren drei Kindern im Verborgenen, um der Verhaftung zu entgehen. Nach Auffliegen des Verstecks selbst zu den Kärntner PartisanInnen.

Verstorben 1997.

 

 

Hier in Remschenig haben sie einen Partisanen gefangen genommen und ihn verprügelt. Da haben die Leute zu reden begonnen, er hätte alles verraten, und ich habe nur mehr gehört, ihr seid auf der Liste, euch werden sie liefern. Bei uns waren ja oft die Partisanen, beim Šein in Vellach, überhaupt nachdem mein Mann zu den Partisanen gegangen war. Damals habe ich nur so gehorcht, wann uns die Deutschen holen kommen. Schließlich hielt ich das alles nicht mehr aus, nahm die Kinder und bin weg mit ihnen. Die erste Zeit ging ich noch heimlich zum Haus, um das Vieh zu füttern und aufzuräumen, dann aber brachte ein Nachbar die Polizei aus Eisenkappel, die haben alles geplündert. Da konnte ich nicht mehr zurück und war im Wald in einem Bunker, so einem quadratischen, vier mal vier Meter war er. Es war Jänner, ich hatte drei Kinder mit und noch vier andere waren dort, sodass sieben Kinder in dem Bunker waren. Mein Jüngster war eineinhalb Jahre alt, der Zweite drei, das Mädchen elf. Wie diese Kinder verkühlt waren. Sie durften nicht weinen im Bunker, du konntest sie nicht säubern, du konntest ihnen nichts zu essen geben, es war schlimm. Die Buben habe ich dann zu meiner Mutter gegeben, sie hat sie genommen, das Mädchen ist im Bunker geblieben.

 

Dann haben sie eine Partisanin erwischt und sie so geprügelt, und sie haben ihr immer wieder gesagt, sie wüsste noch von einem Bunker, sie soll ihn nennen, dann kommt sie frei. Sie wurde ja sowieso nicht freigelassen, aber sie dachte sich, in dem Bunker ist sowieso niemand mehr, und sie führte die Polizei hinauf. Aber es waren noch welche drinnen, unter anderem meine Tochter. Sie haben sie gefangen und nach Klagenfurt gebrach. Dort ist angeblich der Trubi dazugekommen, das war ein Eisenkappler Nazi, den haben sie gefragt, wohin sie mit dem Mädchen sollen, und er soll gesagt haben: "Gebt sie mir mit, sie hat genug eigene Leute, einer wird sie schon nehmen." Sie haben sie freigelassen und sie ist bis Kriegsende bei meiner Schwester geblieben.

 

Ich aber bin von dort weg in die Armee gegangen. Am Anfang habe ich ein bisschen genäht. Wenn wir zu einem Bauern gekommen sind, der eine Nähmaschine hatte, dann habe ich schnell genäht, was sehr zerrissen war, gewaschen habe ich, später dann war ich Köchin. Ich habe nie eine Waffe getragen. Am Anfang gab es sowieso nicht viele Waffen, und so waren die Frauen mehr oder weniger ohne, später hätte ich eine Pistole haben können, aber ich wollte keine. Nicht einmal um mich selbst zu schützen. Dass ich in eine Falle geraten könnte, daran habe ich nicht denken wollen. Hier in der Gegend waren die Frauen mehr für das Nähen, Waschen und Kochen, sie hatten nicht so viel militärische Fähigkeiten wie die Frauen heute.

 

Wenn wir irgendwohin gekommen sind, dann haben wir unsere Lebensmittel zusammengesammelt und ich habe gekocht. Wenn wir bei einem Bauern waren, habe ich manchmal sogar Sterz oder gar Strudel gekocht, meistens aber haben wir Fleisch gegessen, in kleine Stücke geschnitten und gekocht. Manchmal hatte ich gerade alles fertig, da ist die Polizei gekommen und wir haben alles liegen und stehen lassen müssen und sind geflohen. Einmal in der Solčava sind wir auf einem Felsrand gehockt, unter uns die Polizei, die nicht weggehen wollte, wir aber wären nicht an ihnen vorbeigekommen, ohne dass sie uns bemerkt hätten. Damals haben wir drei Tage und Nächte ohne jedes Essen, ohne Wasser dort oben gewartet.

 

Die Küche war immer ein bisschen weiter hinten, die Kämpfer sind vorausgegangen, wir hinterher mit einer Schutztruppe und den ganzen Küchengeräten. Jeder hat etwas getragen, die Kessel gewöhnlich solche, die das zur Strafe tun mussten. Manchmal hat einer bei einem Bauern etwas mitgehen lassen, dann hat sich der Bauer halt aufgeregt. Wir mussten uns dann sofort aufstellen, alle Rucksäcke und Hosensäcke wurden durchsucht, und wenn sie etwas gefunden haben, musste der Betreffende zur Strafe halt die Kessel schleppen, manchmal wurden sie aber auch erschossen. Gerade wie es gekommen ist.

 

Am Anfang hatte noch jeder seine Kleider von daheim, aber die waren ja mit der Zeit zerrissen, und wie oft mussten wir so rennen, dass wir sogar den Rucksack abwarfen, damit wir schneller laufen konnten. Dann hatten wir nichts mehr, nicht einmal Wäsche. Und dann gingen wir eben zu einem Bauern, damit er uns irgendeine Hose gegeben hat. Noch gut, dass wir Frauen keine Regel hatten, es war überhaupt nicht schlimm, dass das ausblieb. Du hattest sowieso genug damit zu tun, sauber zu bleiben. Es ist ja alles Mögliche vorgekommen, es sind Brigaden heraufgekommen und die haben Läuse mitgebracht, sodass wir bei den Bauern alle Kleider kochen mussten, damit wir die Läuse ein bisschen wegkriegen konnten. Ich weiß noch, wie wir einmal aus Črna nach Topla gekommen sind, dort war ein großes einstöckiges Haus, ein langer betonierter Flur, den werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Wir legen uns in diesem Flur nieder, wie Schaufelstiele sind wir gelegen, verschwitzt, nass. Wenn du verschwitzt bist, dann haben dich die Läuse noch viel lieber. Sie haben uns so gebissen, dass wir nicht schlafen konnten. Gesund war das alles ja nicht gerade.

 

Im Herbst '44 hatte ich so erfrorene Füsse, dass mich mein Bataillon bei einem Bauern in Kaprein gelassen hat, damit ich mich ausruhe und gesund werde. Ich hatte solche Füße, dass ich sie in Säcke einwickeln musste, ich passte in keinen Schuh mehr hinein. Nur, ich habe den Bauern nicht so gut gekannt und bin auf eigene Faust zu einem Bekannten nach Solčava gegangen. Das waren drei Stunden Gehzeit. Von dort habe ich dann meiner Mutter in Remschenig eine Nachricht geschickt, sie soll mich mit den Kindern besuchen kommen, damit ich sie endlich wiedersehe. Ich fragte sie noch, ob es in Eisenkappel etwas Neues gäbe, sie sagte, sie hätte nichts bemerkt. Die Mutter ist mit den Kindern zurückgegangen und ich habe sie bis zur Grenze begleitet. Dort habe ich Spuren gesehen, nur von wem sie waren, das wusste ich nicht. Die Mutter ging mit den Kindern nach Hause, ich machte mich auf den Weg zurück nach Solčava,

 

Ich komme zum Haus, da steht der Bauer an der Stallecke und ruft mir leise zu: "Slavka, Slavka!" Zuerst reagierte ich gar nicht, aber er ruft noch einmal "Slavka", da habe ich mich erst umgedreht und er zeigt mit der Hand auf die Heiligengeistkirche und sagt: "Schau, was da ist." Und da habe ich es gesehen, alles grünbraun, die Polizei. Ich wollte mich im Stall verstecken, aber die Tochter des Hauses hat es nicht zugelassen. Wenn sie das Haus durchsuchten, könnten sie mich finden. In der Nähe aber hat die älteste Tochter des Bauern gewohnt, die konnte nicht gehen. Dort war alles voller Polizei und die haben mich aufgehalten und gefragt, ob ich weiß, wo die Banditen sind. Die Bäuerin hat mich gegenüber den Polizisten als ihre Tochter ausgegeben, sie haben aufgeschrieben, wie viele beim Haus sind und sind gegangen,

 

Zwei Nächte habe ich noch dort geschlafen, dann habe ich die Hosen unter den Arm genommen, ein Kleid angezogen und bin gegangen. Ich wollte in den Holar-Graben, dort wollte ich mich verstecken. Ich gehe so, auf einmal sehe ich einen Zivilisten und hinter ihm 43 Polizisten. Da bin ich dann zurück, in Richtung Österreich, von dort zum Unteren Tomažič, der hat mir eine Schüssel Milch gegeben und ein Stückchen Brot. Von dort weiter über die Alm. Ich treffe meine beiden Brüder Franček und Orij und einen dritten Partisanen aus Vellach, gehe mit dem Orij zur Straße, auf einmal hören wir ein Schreien, Weinen, Heulen. Wir legen uns in eine Grube und sehen, wie sie aus der Solčava Mensch und Vieh herantreiben. Alte, Junge, die haben geschrien und geweint, das Vieh hat gebrüllt, sie haben alles mitgeschleppt, was gehen konnte, was nicht mit konnte, Kälber, Schweine, das ist im Stall geblieben und sie haben es verbrannt. Als wir mit dem Bruder nach Solčava zurückkommen, hat schon alles gebrannt, wir haben in die Ställe hineingeschaut, das Vieh verbrannt, das Getreide hat gebrannt, so viel Lebensmittel, alles verbrannt und vernichtet.

 

Das Bataillon haben wir dann in Koprein erwischt, und der Kommandant hat mich nach Luče in das Savinja-Tal geschickt, damit ich dort für den Stab der Stadt Luče koche. Aber die Polizei war schon wieder nach Solčava gekommen und weiter nach Luce. Wir flohen unter den Vovlek und weiter auf die Velika planina. Die Deutschen hinter uns her. Auf dieser Velika planina war eine Unmenge von Leuten; erschöpft, hungrig, atemlos, sodass sie umgefallen sind. Zu essen hat es nichts gegeben, ich habe Schnee geschmolzen und Fichtenäste gebrochen, damit ich heißes Wasser kochen konnte, damit es wenigstens heißes Wasser zu trinken gab. Dann sagte der Kommandant völlig verzagt zu uns, wir sollten uns durchschlagen, wie wir wissen und können. Wir sind den Pfad hinunter, der Schnee lag hüfthoch, wir rutschten hinunter, unten war das Krankenhaus, zerstört, vermutlich hatten sie eine Granate hineingeworfen, da lag eine Hand, da lag ein Fuß, alles zerschlagen, auch die Polizei war nicht mehr dort. Wir kamen nach Solčava zu einer Frau, die kochte uns eine Suppe und gab uns ein bisschen Milch. Ich wollte nur mehr nach Hause. Ich habe mich bei meiner Mutter ein bisschen ausgeruht und bin dann wieder zurück ins Bataillon.

 

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