|
7. Europäische Sommer-Universität Ravensbrück Geschlecht und Rasse
in der NS-Medizin Die 7. Europäische Sommer-Universität Ravensbrück verknüpft Ansätze der historischen Geschlechterforschung mit der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, um neue Einsichten in die NS-Biopolitik und ihre Dynamiken zu ermöglichen. Die NS-Medizin wird vor allem durch die Schlagworte Eugenik, "Euthanasie" und unethische Menschenversuche charakterisiert. In der neueren Forschung zur Medizin- und Wissenschaftsgeschichte wird jedoch deutlich, dass sich NS-Medizin und "Normalmedizin" nicht exakt voneinander abgrenzen lassen. Gleichwohl ist es heute möglich, das Verhältnis von Politik und Medizin im Nationalsozialismus sehr viel genauer zu beschreiben. Weitgehend versäumt wurde jedoch, die Kategorie "Geschlecht" systematisch in die Analyse einzubeziehen. Dieses Defizit ist umso erstaunlicher, als seit den 1980er Jahren von Seiten der historischen Frauen- und Geschlechterforschung grundlegende Studien zum Thema vorgelegt wurden. Die Sommer-Universität 2011 ist in vier Themenschwerpunkte gegliedert: Dies sind die NS-Medizin und die heutige Gen- und Reproduktionstechnik, Eugenik als Geschlechter- und Rassenpolitik im 20. Jahrhundert, rasse- und geschlechterhistorische Aspekte der "Euthanasie" sowie die medizinischen Experimente im KZ Ravensbrück und die Entschädigungspolitik. Bereits seit dem Jahr 2005 führt die Gedenkstätte Ravensbrück eine Sommer-Universität mit jährlich wechselnden Schwerpunktthemen durch. Als akademische Veranstaltung am Ort einer Gedenkstätte wird die Sommer-Universität Ravensbrück von einem interdisziplinären Kreis von Teilnehmenden besucht, der sich aus Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch Multiplikatoren aus dem Bereich der Gedenkstätten und Schulen zusammensetzt. Fragen der Rezeption und der Umsetzung in der Gedenkstättenarbeit stehen immer neben jenen nach der Verfolgungspraxis des Nationalsozialismus sowie der Geschichte der Konzentrationslager. Als historischer Ort, der vor allem für die nationalsozialistische Verfolgung der Frauen steht, ist die Geschlechtergeschichte wesentliches Element des Programms der Sommer-Universität.
Weitere Informationen zum Thema: |
|
|
« zurück |
|