Forschungsstelle Nachkriegsjustiz
am DÖW

Mitteilungen 197

Das DÖW, das bei der Dokumentation von NS-Verbrechen in der Reihe Widerstand und Verfolgung in den österreichischen Bundesländern Akten der Volksgerichtsprozesse 1945 bis 1955 benutzte, machte in den frühen 1990er Jahren die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Quellengattung zu einem ihrer Forschungsschwerpunkte.

1993 bis 1998 wurden am DÖW zwei vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierte Forschungsprojekte zum Thema Nachkriegsjustiz durchgeführt, deren wichtigstes Ergebnis die Gründung einer eigenständigen wissenschaftlichen Einrichtung, der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz am DÖW, war, die vom damaligen Bundesminister für Justiz, Nikolaus Michalek, im Rahmen eines Festakts im Österreichischen Staatsarchiv der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Schwerpunkte der Tätigkeit der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz im letzten Jahrzehnt waren die NS-Prozesse in Österreich und der Vergleich der Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich mit anderen Ländern. Die Dokumentierung der Akten dieser Prozesse bezweckt auch, die Bestrafung von Kriegs- und Humanitätsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg als Teil des europäischen Rechtskulturerbes ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, zur Sicherung der dabei angelegten Justizdokumente beizutragen und die Erfahrungen mit dieser frühen Form von Transitional Justice in die gegenwärtige Auseinandersetzung mit Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen einzubringen.

Neben der Dokumentation von Justizakten werden wissenschaftliche Forschungsprojekte und Konferenzen durchgeführt. Die wichtigsten Projekte bisher sind:

  • Justiz und NS-Gewaltverbrechen in Österreich, 2002 bis 2006 gemeinsam mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und dem Institut für österreichische Rechtsgeschichte und europäische Rechtsentwicklung der Universität Graz durchgeführt. Die Ergebnisse des Projekts wurden 2006 in dem von Thomas Albrich, Winfried R. Garscha und Martin F. Polaschek herausgegebenen Sammelband Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht - Der Fall Österreich publiziert.


  • Der Komplex Lublin-Majdanek und die österreichische Justiz, Laufzeit 2009/2010. Die Ergebnisse werden am 28. und 29. Oktober 2010 auf einer internationalen Konferenz in Wien evaluiert und im Juni 2011, zum 30. Jahrestag der Urteilsverkündung im Düsseldorfer "Majdanek-Prozess", präsentiert.

Mehr zur FStN:
Winfried R. Garscha / Claudia Kuretsidis-Haider, Die Forschungsstelle Nachkriegsjustiz am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (PDF, 431 KB)

Regelmäßige Informationen im Internet: www.nachkriegsjustiz.at


Publikationen der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz, Clio, Graz

  • Bd. 1: Heimo Halbrainer / Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.), Kriegsverbrechen, NS-Gewaltverbrechen und die europäische Strafjustiz von Nürnberg bis Den Haag (2007)
  • Bd. 2: Claudia Kuretsidis-Haider, Heimo Halbrainer, Elisabeth Ebner (Hrsg.), Mit dem Tode bestraft. Historische und rechtspolitische Aspekte zur Todesstrafe in Österreich im 20. Jahrhundert und der Kampf um ihre weltweite Abschaffung (2008)
  • Bd. 3: Claudia Kuretsidis-Haider, Winfried R. Garscha (Hrsg.), Gerechtigkeit nach Diktatur und Krieg. Transitional Justice 1945 bis heute: Strafverfahren und ihre Quellen (2010)

Österreichische Justizgeschichte im Studien Verlag, Innbruck-Wien-Bozen, hrsg. von Thomas Albrich, Winfried R. Garscha, Martin F. Polaschek

  • Bd.1: Thomas Albrich / Winfried R. Garscha / Martin F. Polaschek (Hrsg.) Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht. Der Fall Österreich (2006)
  • Bd. 2: Claudia Kuretsidis-Haider, "Das Volk sitzt zu Gericht". Österreichische Justiz und NS-Verbrechen am Beispiel der Engerau-Prozesse 1945-1954 (2006)

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