Evaluierungskonferenz im Rahmen des Projekts

Der Komplex Lublin-Majdanek und die österreichische Justiz

Das KZ Lublin-Majdanek war eine zentrale "Relais-Stelle" für den Massenmord der Aktion Reinhardt unter dem Kommando des österreichischen SS- und Polizeiführers Lublin Odilo Globocnik. Österreichische Angehörige der in Lublin stationierten SS- und Polizeieinheiten sowie der Lagerwache und Kapos des Konzentrationslagers waren in die Verbrechen involviert.

Den Prozessen der unmittelbaren Nachkriegszeit in Polen sowie der 1970er und 1980er Jahre in Deutschland (v. a. der Düsseldorfer Majdanek-Prozess von 1975 bis 1981) mit mehreren Höchsturteilen standen in Österreich umfangreiche Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Graz gegenüber, die allerdings zu keiner Anklage führten und in allen Fällen mit der Einstellung des Verfahrens endeten.

Im Zuge der 2007 eingeleiteten Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft Wien gegen die ehemalige Aufseherin des KZ Majdanek, Erna Wallisch, die nach dem Tod der Beschuldigten im Februar 2008 eingestellt worden waren, wurde erneut die Frage der Beteiligung österreichischer Tatverdächtiger an den Verbrechen in Majdanek evident. Im Gegensatz zu Auschwitz und Mauthausen - den anderen beiden Konzentrationslagern, in denen Österreicher einen relevanten Teil der Wachmannschaften stellten - wurde bislang kein österreichisches Strafverfahren zu Majdanek mit Urteil abgeschlossen.

Die Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz am DÖW vergleicht die strafrechtliche Ahndung der Verbrechen im KZ Lublin-Majdanek in Polen, Deutschland und Österreich und untersucht die Möglichkeit der Aufnahme gerichtlicher Ermittlungen gegen mutmaßliche österreichische NS-Täter.

Die Konferenz Das KZ Lublin-Majdanek und die Justiz. Polnische, deutsche und österreichische Prozesse im Vergleich - eine Bilanz präsentiert die Ergebnisse zweijähriger Forschungen und stellt sie vor einer international besetzten ExpertInnenrunde zur Diskussion. Zentrale Aspekte sind:

  • der Beitrag der Justiz zur Aufklärung der Verbrechen in Majdanek;
  • die Methoden und die "Effizienz" der Strafverfolgung in Polen, Deutschland und Österreich vor dem Hintergrund der jeweiligen Rechtslage sowie der politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Am Vorabend der Konferenz wird im Rahmen einer Enquête mit ZeitzeugInnen und ExpertInnen die Rolle der Zeugenschaft vor Gericht aus rechtshistorischer und völkerrechtlicher Sicht diskutiert. Thema sind sowohl die Konfrontation von Tätern/Täterinnen und Opfern in Gerichtsverfahren wegen NS-Gewaltverbrechen als auch der Umgang mit ZeugInnen in gegenwärtigen Prozessen wegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen.

Zeit:
28./29. 10. 2010


Veranstalter:
Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz,
Wissenschaftliches Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften


Kooperationspartner:
Forschungszentrum des Staatlichen Museums in Majdanek


Programm »
PDF, 117 KB


Anmeldung erbeten:
office@viennapan.org


Information:
Tel.:
22 89 469 / 315,
e-mail:
info@nachkriegsjustiz.at

web:
www.nachkriegsjustiz.at


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